Er wählte als Geburtsort Dresden, Sachsen.

Der Ort war hübsch. Der Zeitpunkt war nicht

dumm:

Er konnte so in das Jahrhundert wachsen

Und Gleichschritt halten mit dem Säkulum.

Er blieb in allen Klassen bei ihm sitzen.

Er lernte alles mit. Von A bis Zett.

Zuerst mit aufgepflanzten Schnurrbartspitzen.

Danach mit aufgepflanztem Bajonett.

Sie lernten brav gemeinsam die Lektionen:

Bißchen Moral und sehr viel Politik.

Zuerst das Spiel um Kronen mit Kanonen.

Dann übten sie ein bißchen Republik.

Doch dieses Thema war sehr bald erledigt.

So sahn sie zu, was Volksverführung ist,

Und überlebten Hitler, doch beschädigt.

Das Säkulum und gleichfalls sein Chronist.

Nun kommen der Poet und das Jahrhundert

(Obwohl man’s allen beiden nicht recht glaubt)

Schon in die Jahre. Und man fragt verwundern

Wie? Kästner siebzig? Ist denn das erlaubt?

Es ist erlaubt. Die Zeit treibt solche Späße.

Man dreht sich um: Schon hat man graues Haar.

Doch wenn er heute auf der Schulbank säße:

Er bliebe, der er ist und immer war.

Er bleibt in vielen Fächern halt gescheiter

Als sein Jahrhundert. Und so sitzt er da,

Beguckt die Zeit und paukt und büffelt weiter,

Schon graumeliert, doch ohne Podagra.

Er lernt sich jung. Was liegt an grauen Haaren?

Vernünftig bleibt vernünftig. Dumm bleibt

dumm.

Was wünschen wir den beiden Jubilaren?

Dem Dichter Glück! Vernunft dem Säkulum!

Anmerkung: Erich Kästner, am 23. Februar 1899, morgens gegen vier Uhr, von der Hebamme Schröder zur Welt verholfen, ist ein knappes Jahr älter als das zwanzigste Jahrhundert. Schade, daß das Jahrhundert seinen großen Bruder so selten um Rat gefragt hat.