Gehirnwäsche – So wird das Opfer weich gemachtSeite 4/7

Damit die individuelle Gehirnwäsche überhaupt begonnen werden kann, muß die entsprechende Atmosphäre hergestellt werden: Dem Bürger müssen menschliche Grundrechte entzogen werden; er muß dabei das volle Bewußtsein haben oder ahnen, daß es im Staate eine aktive Organisation gibt, gegen die man sich legal nicht wehren kann. Diese Aufgabe erfüllt etwa seit dem 19. Jahrhundert die Geheimpolizei. Ob diese Institution allmächtig oder nur mächtig ist – sie bleibt eine Institution, vor der man sich fürchten muß, egal ob man ein reines oder ein unreines Gewissen hat.

Die Verfahren der „Gehirnwäsche“ dauern verschieden lange, je nach der individuellen Widerstandskraft. Sie werden auch miteinander vermischt angewendet. Zuerst wird mit einer einmaligen überraschenden Aktion die reine Existenz des Menschen gefährdet. Man gibt ihm zu verstehen, er werde nicht mehr lange leben. Die destruktive Wirkung des Schocks wird verbunden mit der völligen Isolierung des Menschen. Schon in dieser Phase kann man dem Opfer zu verstehen geben, daß es unter gewissen Umständen doch eine Möglichkeit zu überleben gibt.

Ziel der zweiten Stufe der „Gehirnwäsche“ ist es, ein Gefühl nicht näher definierbarer Schuld zu züchten: „Irgendeinen Fehler muß ich doch gemacht haben.“. Im nächsten Stadium liefert man dem Opfer entsprechende Informationen. Es kann sich beispielsweise um bewußt verdrehte Äußerungen des Angeklagten handeln oder um gefälschte Dokumente. In den meisten Fällen präsentiert man überzeugende Nachrichten darüber, daß seine Freunde und Familienangehörigen ihn denunziert haben.

Man rechnet mit der psychologisch richtigen Voraussetzung, daß ein Mensch, den alle verlassen und verraten haben, viel leichter zum Verrat neigt und weniger immun gegen Beeinflussungen ist. Im nächsten Stadium versucht man, ihm direkt oder indirekt den Gedanken zu suggerieren: „Nur der, der sich ändert und einwandfrei mitarbeitet, kann überleben.“ Die unbestimmte Hoffnung, die die Gefängniswärter kurz nach der Verhaftung weckten, ist damit spezifiziert, gleichzeitig wird das unbestimmte Schuldgefühl „kanalisiert“.

Es geht um einen langsamen Aufbau von Paranoia und selbstanklägerischen Vorstellungen. Oft wird an den gesunden Menschenverstand appelliert und „Anpassung an die Realität“ als einziger Ausweg empfohlen.

Modernere totalitäre Regime bedürfen nicht der Massenzustimmung und Begeisterung; sie rechnen vielmehr mit der Gleichgültigkeit und dem stumpfen Gehorsam der breiteren Schichten. Auch die „Gehirnwäsche“ der Massen setzt eine gewisse Atmosphäre von Skepsis, Unsicherheit (auch ökonomische) voraus. Wichtig ist aber, daß von Zeit zu Zeit eine nebelhafte, an viele Bedingungen geheftete Hoffnung präsentiert wird – zusammen mit „realen“ Perspektiven. Unsicherheit, Angst und Pessimismus können nicht absolut sein; es ist nicht zweckmäßig, das Gefühl hervorzurufen, daß „man nichts zu verlieren hat“ und daß es jetzt um alles geht. In solch einer Situation entwickelt sich im Gegenteil unter den Bedrohten ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und die Bereitschaft, Widerstand gegen die Willkür zu riskieren.

Bei individueller. „Umerziehung“ werden sämtliche Kontakte verhindert; bei massenweisem „Brainwashing“ geht es vor-allem um die Zersetzung der Kommunikationsstruktur. Als Ausgangspunkt dient erstens: Für eine richtige Beurteilung und Entscheidung muß der Mensch ein optimales Maß an objektiven Informationen bekommen; zweitens integriert die zwischenmenschliche Kommunikation den Menschen in eine Gruppe oder in die ganze Gesellschaft.

Service