Nein-Sager nicht gefragt
Die SPD streitet sich mit ihren Studenten
Als die SPD 1960 alle Beziehungen zu ihrer Studentenorganisation – dem SDS – abbrach, beschloß sie gleichzeitig, den neu entstandenen Sozialdemokratischen Hochschulbund – den SHB – zu fördern, weil dieser sich zum Grundsatzprogramm der Partei bekannte. Nun ist die Partei auch mit dem SHB in Konflikt geraten: Seit Anfang März hat sie den monatlichen Zuschuß von 3300 Mark gestrichen. Der Parteivorstand der SPD lehnt überdies Gespräche mit den Jungakademikern ab.
Der SHB ist mit 3500 Mitgliedern sehr verschiedener Prägung der größte Studentenverband in der Bundesrepublik. Er hat zwei gleichermaßen radikale Flügel: die sturen Kommunisten orthodoxer Prägung, denen Organisation über alles geht, und die modernen „Antiautoritären“, die ihrer Utopie frönen und darum alles Bestehende mißbilligen. Die Mitte dazwischen – niemand weiß genau, wie groß oder wie klein sie ist – versteht sich selbst als sozialdemokratisch und wird darum von den antiparlamentarischen Genossen gelegentlich mit dem Attribut „opportunistisch“ bedacht.
Die Distanz zwischen den Politikern in der Partei und den Studenten der Partei wird immer größer. Die einen werden immer staatserhaltender, die anderen immer kritischer und negierender. Der SHB erklärte, er werde sich im Wahlkampf nur für ganz linke SPD-Kandidaten einsetzen. Er fordert den Abbau der bürgerlichen Demokratie, und in den Anträgen zur Landesdelegiertenversammlung, die am 29. Januar in Bochum stattfand, heißt es, die verbale Revolution müsse endlich zur realen Revolution werden.
Das Dilemma liegt darin, daß für den Studenten, den Bürger der Universität, andere Denckategorien gelten als für den Politiker. Der Student soll die Welt kritisch analysieren, ohne Rücksicht darauf, ob seine Erkenntnisse in die Realität umgesetzt werden können. Der Politiker dagegen muß dafür sorgen, daß die Maschine läuft – und daß niemand unter die Räder kommt.
Demokratie ist inhaltlich nicht objektivierbar. Das wissen – anders als der SHB – die Politiker nur zu gut. Was die SPD-Politiker aber offenbar nicht wissen, ist dies: wie sehr sie eine kritische Avantgarde brauchen, die alles immer wieder in Frage stellt, die immer wieder gegen den Stachel lockt. Was soll aus einer Partei werden, die sich dieser Herausforderung nicht mehr stellt und die zugleich mit den Unbelehrbaren die Kooperationswilligen verstößt? Dff.






