Für den Sparer in festverzinslichen Wertpapieren ist die Glanzzeit wieder einmal vorüber. Die Diskonterhöhung um ein Prozent zeigt auch dem Laien, daß wir uns in einer Phase steigender Zinsen befinden – und steigende Zinsen bedeuten für den Rentenmarkt fallende Kurse. Wer im Februar einen sechsprozentigen Pfandbrief zum Nennwert von 100 Mark gekauft hat, zahlte dafür 96 Mark. Wenn dieses Papier heute wieder veräußert werden soll, kann es sein, daß seinem Besitzer nur noch 90 Mark gutgeschrieben werden. Innerhalb weniger Wochen ist der Zinsnutzen eines vollen Jahres durch den Kursverlust aufgezehrt worden.

Kein Wunder, wenn die Pfandbriefsparer, zumal wenn sie Neulinge und bisher nicht leidgeprüft sind, unruhig werden. In der Werbung war ihnen ein Huhn versprochen worden, „das goldene Eier legt“. Und es ist, auch immer wieder von „Sicherheit“ die Rede. Allerdings nicht von der Sicherheit des Kurses, sondern von der Sicherheit dieser Kapitalanlage. Wer Pfandbriefe, besitzt, braucht nicht darum zu bangen, daß die Hypothekenbank eines Tages Pleite geht und er sein Geld verliert. Bei Aktien ist dieses Risiko großen Pfandbriefsparer, die Geduld genug aufbringen, bis zum Ende der Laufzeit ihres Wertpapiere zu warten (meist 25 bis 30 Jahre), erhalten den vollen Nennwert zurück.

Aber was geschieht in der Zwischenzeit? Die Kurse der Festverzinslichen müssen schwanken, denn sie sind von der Zinsentwicklung abhängig. Weil das vielen Leuten an die Nerven geht, wurden die Sparbriefe (dazu gehört auch der Bundesschatzbrief) erfunden, in denen das Geld für einige Jahre festgelegt werden muß, bei denen es aber kein Kursrisiko gibt. Dafür liegt ihr Zins etwas unter dem der festverzinslichen Wertpapiere.

Schon im vergangenen Jahr war den Experten klar, daß der Übergang vom 6 1/2zprozentigen zum 6prozentigen Nominalzinssatz für Anleihen und Pfandbriefe problematisch war. Um den Sechsprozenter nicht schon gleich nach seiner Wiedergeburt sterben zu lassen, mußte die Bundesrepublik wiederholt eingreifen und die Kurse öffentlicher Anleihen stützen.

Von der Menge der liquiden Mittel, die der deutschen Wirtschaft zur Verfügung steht, müßte die Bundesrepublik eigentlich ein Land mit einem extrem billigen Zins sein. Aber ein Staat, der seinen Geld- und Kapitalverkehr voll liberalisiert hat, kann eben keine Zinsoase bilden. Er ist abhängig von der Zinsentwicklung auf den internationalen Kapitalmärkten.

Dort geht es seit einiger Zeit nach oben, so daß ausländische Emittenten sich zunehmend für im internationalen Vergleich billiges deutsches Kapital interessierten. So entstand die Flut der auf Mark lautenden Auslandsanleihen, die weder von der Bundesregierung noch von der Bundesbank ungern gesehen wurde, weil der auf diese Weise stattfindende Kapitalexport aus Zahlungsbilanzgründen erwünscht war.

Obwohl sich die inländischen Emittenten zurückhielten, war der deutsche Kapitalmarkt durch die Ausländer bald überbeansprucht. Daher mußten die Ausländer Zinszugeständnisse machen. Der Nominalzinssatz von Auslandsanleihen stieg von 6 auf neuerdings über 7 Prozent. Die Rendite einzelner Emissionen geht bereits über 7 1/2 Prozent hinaus. Dennoch ist ihre Placierung schwierig geworden. Einzelne Emissionen sind bereits zum überwiegenden Teil bei den Konsortialbanken hängen geblieben.