Die Bombe tickt im Portefeullie

Sind die deutschen Banken zu mächtig, zu einflußreich geworden? Das Unbehagen gegenüber der starken Stellung der Banken in unserer Wirtschaft wächst. Nicht nur in solchen Kreisen, die Macht ohnehin mit Verbrechen gleichsetzen, sondern auch bei einigen Politikern.

Bei ihnen wird man allerdings zu unterscheiden haben zwischen denen, die sich ehrlichen Herzens Gedanken über die Zweckmäßigkeit des gegenwärtigen Bankensystems machen, und solchen, die sich von der Entmachtung des Bankenapparates für sich und ihre Parteien Vorteile versprechen.

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Jede moderne Wirtschaft braucht einen leistungsfähigen Kreditapparat und gleichzeitig Institute, die in der Lage sind, der Industrie, dem Handel und der Verkehrswirtschaft neues Eigenkapital zu vermitteln. Daß es im Rahmen dieser Dienstleistung gelegentlich zu Interessenkonflikten kommt, ist unvermeidlich.

Niemand kann ständig auf zwei Schultern tragen, ohne daß die eine m bestimmten Situationen mehr gedrückt wird als die andere. Aber Schwächen hat nicht nur das Universalbanksystem, sondern jedes andere auch.

Ernsthaft zu fragen ist jedoch, ob es sein muß, daß Kreditinstitute über ihre Eigenschaft als Kreditgeber und Emissionshaus hinaus noch andere Einflußpositionen innerhalb der Wirtschaft beziehen sollen. Das geschieht über das Bankendepotstimmrecht, dessen Nutzen für eine Bank in der Regel allerdings weit überschätzt wird. Viel ernster zu nehmen sind indessen die Kapitalbeteiligungen an namhaften Unternehmen. Sie sind zum Funktionieren des Universalbanksystems nicht notwendig, führen aber zu neuen Konfliktsituationen.

Erinnern wir uns der Vorwürfe, die ein Förster gegen die Deutsche Bank erhebt, weil einer ihrer Angestellten ihm zum Verkauf seiner Daimler Aktien zum gleichen Zeitpunkt geraten hat, zu dem die Deutsche Bank ihr Paket a n Daimler Aktien zu vervollständigen trachtete. Dem Förster sind dadurch die später eingetretenen Daimler Kursgewinne entgangen.

Unterstellen wir einmal, daß der Angestellte der Deutschen Bank von den Paketplänen seines Hauses nichts gewußt und den Förster nach bestem Wissen und Gewissen beraten hat, so bleibt von dieser Angelegenheit dennoch ein höchst ungutes Gefühl zurück.

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