Publizität Strip-tease der Großen

Die Geheimniskrämer unter Deutschlands Großunternehmen sollen ihre Geheimnisse preisgeben. Das neue Publizitätsgesetz wird sie dazu zwingen.

Nach jahrelangem Tauziehen zwischen CDUCSU Politikern, die den Unternehmern ihre Geheimnisse lassen wollten, und SPD Politikern, die ursprünglich viel mehr Publizität verlangt hatten, wurde das Gesetz noch kurz vor Ende der Legislaturperiode vom Bundestag verabschiedet.

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Etwa SO Unternehmen, die bisher nicht zur Publizität verpflichtet waren, müssen nun ihre Bilanzen veröffentlichen. Sie erfüllen mindestens zwei der drei Kriterien (250 Millionen Mark Umsatz, 125 Millionen Mark Bilanzsumme und 5000 Beschäftigte) und sind damit zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichtet.

Doch erst 1972 kommt der Zwang zu „gläsernen Taschen" voll zum Zuge. Ein Unternehmen muß nämlich erst mit der Publizierung der Bilanzen beginnen, wenn an drei Bilanzstichtagen hintereinander die Kriterien erfüllt sind.

Freilich, nach, so strengen Regeln wie die Aktiengesellschaften werden weder die GmbH noch die Personenhandelsgesellschaften (OHG und KG) oder die Einzelkauflerne über den Gang ihrer Geschäfte berichten müssen. Im Gegensatz zur AG dürfen sie Rechnung ablegen „nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung", und die sind juristisch nicht fixiert.

Das bedeutet vor allen Dingen viel Freiheit bei der Bewertung und bei den Abschreibungen und ermöglicht die Bildung stiller Reserven. Eine Gewinn- und Verlustrechnung, der interessanteste und wohl, uch wichtigste. Teil des Jahresabscnlüsses ;iriüß" n(jr öffentlichen. Die" Personalgesellschaften und Einzelkaufleute sind davon befreit. Einige der reichen Deutschen können 1_die GmbH veraber auch weiterhin ihre Geschäfte ganz im Dunkeln lassen: Wenn sich der Konzern nur auf die Vermögensverwaltung (Industrieholding zum Beispiel) beschränkt oder wenn die KG, OHG oder dqr Einzelkauf mann picht selbst die Konzernleitung, in Händen haben, entfällt die Publizitätspflicht.

Zu den Unternehmen, die 1972 mit Sicherheit eine Bilanz für das Geschäftsjahr 1971 vorlegen werden, gehört auch das drittgrößte Umemehmen Deutschlands — die Friedrich Flick KG mit einem Umsatz von l bis 7 5 Milliarden Mark. Mit Umsätzer, über der Drei Milliarden Grenze sind Reemtsma, die Edeka Zentrale, Klöckner und Co, Bosch, Hertie und Schickedanz (Quelle) dabei. Zwei bis drei Milliarden Mark Umsatz haben bei Berücksichtigung aller Beteiligungen: Henkel (2 8), die Otto WolffGruppe (2 8), GEG Hamburg (2 2), BAT (2 2), C & A. Brenninkmeyer (2 2) und die Quandt Gruppe (2 1). Mit über einer Milliarde Umsatz folgen IBM Deutschland (1 7), die Grundig Gruppe (1 7), Philips (1 7), Gedelfi (1 6), Oetker (1 4), die Rewe Zentrale (1 3), die Gebrüder Stumm (1 3), Raab Karcher (1 3), Wehrhahn (1 1) und Getreide Import (1 1).

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