Von Willi Bongard

Kamp-Lintfort am Niederrhein. Auf dem weiten Gelände der Krupp-Zeche Rossenray herrscht tiefster, ländlicher Frieden. Nicht weit vom Zecheneingang parken an die zweihundert Autos und grasen ein Dutzend Milchkühe.

Auf dem schwarzen Brett zwanzig Meter hinter der Einfahrt verheißt ein Plakat „Besseres Leben – Ruhrkohle AG – Die neue Chance!“

Seit die Zeche Rossenray am vergangenen Wochenende der Ruhrkohle AG beigetreten ist, ist diese Chance gegeben. Um ein Haar wäre sie freilich verpaßt worden: Noch zwei Tage, bevor die Erklärungsfrist für den Beitritt der Krupp-Zeche zur neuen Kohleeinheitsgesellschaft ablief, konnten sich die Herren der Ruhrkohle AG und des Krupp-Konzerns nicht darüber einigen, ob und wie dem einzigen Krupp-Erben Arndt von Bohlen und Halbach zu seinem „Taschengeld“ verholfen werden sollte, das ihm vertraglich zusteht. An diesem Streit drohte der Beitritt der Zeche Rossenray, der leistungsfähigsten im gesamten EWG-Raum, tatsächlich zu scheitern.

Es ist ein Taschengeld besonderer Art und in besonderer Höhe, um das es hierbei ging. Als Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der Alleininhaber des Krupp-Konzerns, vor zwei Jahren starb, hinterließ er seinem Sohn Arndt unter anderem den Anspruch auf eine Förderabgabe in Höhe von 2,5 Prozent des Erlöses der aus den Kohlenfeldern Rossenray und Rheinberg geförderten Kohle.

Mit dieser Förderrente, die im vergangenen Jahr immerhin an die 1,2 Millionen Mark ausmachte, sollte dem jungen Arndt sein Verzicht auf die Millionen des gesamten übrigen Krupp-Erbes versüßt werden, das sein Vater Alfried in eine gemeinnützige Stiftung einbrachte. Die Förderrente war Alfried Krupp ursprünglich im Zuge der Entflechtung seines Montanbesitzes von den Alliierten zugestanden worden.

Arndt von Bohlen und Halbach, dessen Beruf darin zu bestehen scheint, den Illustrierten durch einen gemeinhin als extravagant apostrophierten Lebenswandel Stoff für ihre Klatschspalten zu liefern, hätte seine Förderrente wahrscheinlich ein Leben lang ohne Aufhebens kassiert, wenn es in diesen Tagen und Wochen nicht darum gegangen wäre, den größten Teil des Ruhrbergbaus in eine Einheitsgesellschaft einzubringen, wie sie sich Wirtschaftsminister Karl Schiller zur Bereinigung der permanenten Kohlenkrise einfallen ließ.