FerienfondsNur Hapimag blieb übrig

Intersun, Suninvest, Vacanza, Creda – nur die Namen der insgesamt 19 Wracks, die das Ferienfondsgeschäft in Verruf brachten, hatten Klang: Die Gründungen selbst, allesamt auf der Wohlstandswoge der frühen sechziger Jahre hochgetragen, erwiesen sich als hohl.

Eine Gründung dieser Art freilich hat alle Stürme bis jetzt überstanden, große Vertrauenskrise, konjunkturelle Rezession, schwere innere Dispute: Die „Hapimag“ hat zwar einen ebenso farblosen wie umständlichen Namen (Hotel- und Appartementhaus-Immobilien Anlage AG), aber dafür funktioniert sie wenigstens. Aller Bewunderung ist wert, wie die verschiedenen Organe der zwar in der Schweiz beheimateten, aber deutscher Initiative entsprungenen Gruppe sich mühen, aus dem „Schlecht“ ein „Recht“ zu machen und den Beweis zu führen, daß die Konstruktion eines Ferienfonds doch auch auf die Dauer lebensfähig ist.

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Dieser Beweisführungsversuch vollzieht sich allerdings unter erheblichem Knarren und Knirschen. Und übersichtlicher wird die Gruppe in der Anstrengung, der Hydra sich auftürmender Probleme Herr zu werden, auch nicht gerade.

Die Stammgesellschaft Hapimag in Zug und die dem ehemaligen ostelbischen Junker Alexander Nette gehörende Eurokapital Finanzanstalt in Vaduz (Liechtenstein), die bis vor einem Jahr – o glückliche Fügung – sämtliche Appartements für die Hapimag bauen und zum festen Preis von 61 000 sfr abrechnen durfte, sind nicht mehr allein. Vor einiger Zeit wurde die unter die Leitung des Bremer Wirtschaftsanwalts und Nette-Verwandten Dr. H. Krey gestellte Eufa Verwaltungsgesellschaft Dritte im Bunde. Und nun sollen Hapimag, Eurokapital und die für den Aktienabsatz verantwortlichen Generalvertreter mit der Hapimag Vertriebs AG demnächst ein viertes Bein schaffen.

Der neuen Firma obliegt in den Fußstapfen der alten Eurokapital die Wiederankurbelung des Aktienverkaufs. Der hatte schon 1968, als die vornehmlich von einem Hamburger und einem Frankfurter Anwalt entfachten inneren Kämpfe zu wesentlichen Strukturänderungen führten, mit 3379 Placierungen sehr zu wünschen übriggelassen. Von Januar bis April wurde man gar nur noch 509 Hundertfranken-Aktien (mit 375 Schweizer Franken Aufgeld und 1100 Franken angehängtem Darlehen) los, weil die gut 8000 Altaktionäre in der Bundesrepublik, der Schweiz, Österreich und Holland den Köder eines 15-Prozent-Rabatts nicht schnappten. Auch jetzt sitzt die Eurokapital noch auf 2374 der 25 000 Aktien. Und sie säße auf wesentlich mehr, wenn nicht seit gut einem Jahr die Rücknahme gekündigter Anteile statutengerecht gesperrt wäre.

Die neue Vertriebsgesellschaft hätte kaum bessere Chancen, würden ihr nicht eine Reihe neuer Trümpfe in die Hand gegeben. So soll sich die Aussicht, daß der Aktionär je Anteil wirklich zu einer Woche kostenloser Ferien pro Jahr in einem der 461 Hapimag-Appartements zum Zeitpunkt und am Ort (mehr als 20 in Europa) seiner Wahl kommt, demnächst gleich dreifach verbessern: durch eine dem Mannheimer Betriebswirtschaftler Professor Witte (Mitglied des Hapimag-Aktionärsbeirates) zu verdankende Verbesserung des Punktesystems, das geographische und saisonale Ballungen der Ferienwünsche zu vermeiden sucht, durch einen neuen Riesenbau auf Teneriffa in Zusammenarbeit mit einer deutschen Finanzgruppe (Hannover/Berlin), dessen über 200 Appartements zu einem guten Teil durch Fremdvermietung an große Reiseorganisationen Barmittel einspielen und damit die Anmietung zusätzlicher fremder Appartements je nach den Wünschen der Hapimag-Aktionäre ermöglichen sollen. Schließlich durch Einführung elektronischer Datenverarbeitung mit entsprechend heilsamen Folgen für bisherige administrative Engpässe.

Weitere Voraussetzung ist freilich, daß endlich die Bilanzverluste – 1967: 0,28 Millionen, 1968/69: 0,45 Millionen – verschwinden, die nur davon kommen, daß man auf den Immobilien im Buchwert von 26,8 Millionen Franken endlich korrekt abschreibt. Denn nicht nur die Renditenlosigkeit für jene Aktionäre, die Hapimag-Aktien als sieben- bis achtprozentige Kapitalanlage erworben und die Wohnrechte abgetreten haben, ist noch ein Schönheitsfehler. Auch der Federstrich, mit dem man zu Lasten der Aktionärsguthaben auch diesmal wieder die Unterbilanz in einen Jahresüberschuß von 697 Franken hat verwandeln müssen, macht keinen guten Eindruck. Erst die Wiederaufnahme von Aktienkündigungen wäre das Signal, daß sich die Krisenzeit ihrem Ende nähert. Kurzum: Die Genesung der Hapimag-Gruppe macht zweifellos bedeutende Fortschritte. Den Beweis aber, daß ein solcher Ferienfonds ohne Mängel kerngesund operieren kann, ist sie auch nach sechsjähriger Existenz noch schuldig. Wolfgang Winter

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