Gold im Wüstensand

Abu Dhabi ein armes Entwicklungsland mit lei Geld Von Frauke Heard-Bey

T7S rie reich ist der reichste Staat der Erde? V V Genauso reich wie sein Staatsoberhaupt ihn sein läßt. Der Reichtum dieses Landes läßt sich nicht in der Relation zwischen jährlichen 01einnahmen und Kopfzahl der Bevölkerung ausdrücken. Er ist davon abhängig, wie schnell das hereinströmende Geld zur Verbesserung der Lebensbedingungen in diesem Land eingesetzt wird.

Abu Dhabi ist der größte der sieben „Vertragsstaaten" an der südlichen Küste des Persischen Golfes, die im 19. Jahrhundert in ein relativ loses Abhängigkeitsverhältnis zur britischen Krone kamen. Das Scheichtum hat achtzigtausend Quadratkilometer und besteht zu 99 Prozent aus Wüste. Feste Siedlungen gibt es nur in den zwei Oasen Liwa im Süden undBuraimi im Osten. Die Stadt Abu Dhabi selbst liegt auf einer dem Festland vorgelagerten Insel. Noch vor einigen Jahren gehörte Abu Dhabi zu den ärmsten, weil unfruchtbarsten und heißesten Ländern unter der Sonne.

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Als die erste Bevölkerungszählung im Frühjahr 1968 ergab, daß 58 000 Menschen das heiße Wüstenland bewohnen, hatte sich das Blatt bereits gewendet. Die Einnahmen aus Rohölexporten, der großen Einnahmequelle des Landes, beliefen sich im Jahr 1968 bereits auf 574 Millionen Mark. 24 Millionen Tonnen öl wurden gefördert.

Gegenwärtig haben fünf verschiedene Gesellschaften Konzessionen in Abu Dhabi, von denen aber nur zwei Rohöl exportieren: Die Abu Dhabi Petroleum Company (eine Tochter der BP, Shell und Total) und die Abu Dhabi Marine Areas, eine BP- und Total Gründung. Zwei japanische und eine amerikanische Gesellschaft haben Schürfrechte auf dem Land oder dem Festlandschelf. Die Einnahmen aus den ölexporten, den Konzessionen und den Einkommensteuern der ölfirmen gehören allein dem Staatsoberhaupt. Der Vorgänger des gegenwärtigen Ruler of Abu Dhabi, Scheich Schakbut, hatte am Anfang seiner Regierung den Niedergang der Perlenfischerei erlebt. Dennoch schien er die Aussichten auf reiche öleinnahmen, wie sie Kuwait und den Nachbarn Saudi Arabien, Quatar und Bahrein zuflössen, Ende der dreißiger Jahre nicht zu begrüßen. Trotzdem konnte er sich — zum Teil ! auch unter dem Einfluß des „British Political Agent", der die außenpolitischen Verpflichtungen der britischen Krone in dieser Gegend wahrnahm — den vielfältigen Modernisierungsprojekten, die Ausländer für sein Land entwickelten, auf die Dauer nicht verschließen.

Die Grundsteine für viele der Betonwunder von Abu Dhabi wurden dann von ihm persönlich gelegt. Aber den vielen Abenteurern, die, schnellen Profit witternd, in den ölstaaten von Prestigebauten bis zu Alleinvertriebsrechten einer Schuhwichse alles loszuwerden hoffen, wies Schakbut auch persönlich die Tür aus dem Paradies. Der Zwiespalt zwischen der konservativen Politik des falkenzüchtenden Beduinen, der den plötzlichen Reichtum, selbst wenn er in Form von Krankenhäusern und Salzwasserdestillieranlagen auftrat, als unnötige Veränderung der einfachen, aber in sich heilen Welt ansah und von seinen Untertanen fernhalten wollte, und dem wachsenden Verlangen, vor allem der ansässigen Bevölkerung, an dem Reichtum teilzuhaben, wurde im August 1966 bei einer Konferenz der regierenden Familie ausgetragen. Scheich Schakbut wurde abgesetzt und an seine Stelle trat sein jüngerer Bruder Zaid — Geschah dies auch nicht auf Veranlassung der britischen Regierung, so doch mit ihrer freudigen Zustimmung.

Seither hat sich das Land in atemberaubendem Tempo verwandelt. Wer vor 16 Monaten nach Abu Dhabi reiste, kam noch in einer Fokker Friendship oder gar einer 25 Jahre alten DC 3 der Gulf Aviation von den internationalen Flughäfen Bahreiii oder Dubai. Vom offenen Meer herkommend überflog er ein Gewirr von Palmenhütten und Höfen, von arabischen Lehmziegelbauten mit den charakteristischen Windtürmen und viele kleine Moscheen. Er sah das weiße im portugiesischen Stil gebaute Fort, einige mehrstöckige moderne Bankgebäude und dahinter die sich in alle Richtungen hin verlierenden Spuren der Landrover.

Der Rest der Insel schien eine einzige große Baustelle zu sein. Besonders die überall verstreuten, aber noch nicht durch Straßen verbundenen Verkehrsinseln fielen auf. Am Flugplatz, dessen ungeteertes Rollfeld nach einem der sehr seltenen, aber heftigen Regenfälle im Winter gewöhnlich unbenutzbar war, erledigte man die Paßformalitäten in einem kleinen Häuschen und hoffte dann, daß irgendwoher ein Taxi auftauchen würde, das nicht schon von einer der ansässigen Firmen fest gebucht war.

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