Unzweckmäßigkeit und ein paar Kurven?
Der Wettbewerb um das Schauspielhaus in Hannover / Von Hermann Funke
Hannover soll ein neues Schauspielhaus bekommen. Eine Gutachterkommissicn rat dem Rat der Stadt zu dem Entwurf des Schweizer Architekten Paillard.
Den Gutachtern standen vier Entwüre zur Wahl, die in diesem Frühjahr als beste aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen waren. Das Preisgericht des Wettbewerbs konnte sich damals nicht dazu entschließen, einen die ser Entwürfe zur weiteren Bearbeitung vorzuschlagen. Daher empfahl es dem Auslober, „im Interesse einer in allen Punkten überzeugenden Lösung der Wettbewerbsaufgabe, den "Verfassern dei Entwürfe der Preisgruppen I und Ha in einem weiteren Abschnitt Gelegenheit zu geben, ihre Entwürfe zu überarbeiten und ausreifen zu lassen".
Sie wurde ihnen gegeben — der Arbeitsgemeinschaft Oesterlen, Storch und Ehlers, denen das Preisgericht den Rang la zuerkannt hatte, dem Architekten Paillard, der auf Rang Ib lag, und den Architekten Böhm und Herzog, die sich den Rang Ha teilen mußten. Solche feinen Unterschiede hatte das Preisgericht gemacht.
Vorlauf: der Wettbewerb, Endlauf: die Überarbeitung, und es komme nicht darauf an, wer im Vorlauf Bester gewesen sei, allein der Bildlauf entscheide — so erläuterte Oberstadtdiiektor Neuffer dieses sportliche Verfahren, das nicht ganz im Einklang mit den Wettbewerbs -egeln steht.
OesteHen stieg damit zum drittenmal in den Wettbewerb. Schon beim ersten Wettbeweib um das Schauspielhaus Hannover — das war 1963 — gewann er einen ersten Preis und bekam zusammen mit dem Berliner Bornemann den Planungsauftrag. Das Theater sollte damals fast an derselben Stelle stehen wie heute, nämlich am J aschplatz, „hinter der Bahn", auf der anderen, ttadtabgewandten Seite des Hauptbahnhofes. Alle Zeichnungen waren fertig, als wäkrend der Wirtschaftskrise 1967 zwei Wochen vor der Grundsteinlegung das ganze Vorhaben abgeblasen wurde.
Die Stadt stellte dann ein neues, stark reduziertes Raumprogramm auf, für nunmeht nur noch achthundert Zuschauer, und schrieb einen neuen Wettbewerb aus, statt — wie man erwartet hatte — den beiden um den Bau gebrachten Architekten ohne Wettbewerb den neuen Auftrag zu geben.
Diesmal beteiligte sich der unverdrossene Oesterlen zusammen mit dem jungen Büro Storch und Ehlers, das in Kiel das Olympiazentrun — auch ein Wettbewerbserfolg —> baut, und sie gewannen la oder dachten doch, sie hätten gewonnen. Und dann kam der Endlauf.
- Datum 03.10.1969 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 3.10.1969 Nr. 40
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