Biafra erwartet eine neue Offensive

Franzosen lieiern Panzerspähwagen — Keine Aussichten auf einen Waffenstillstand

In Nigeria neigt sich die Regenzeit ihrem Ende zu, was bedeutet, daß der Kampf zwischen den streitenden Bruderparteien sich wieder verschärfen wird. Beobachter des biafranischen Kriegsschauplatzes erwarten eine Offensive der nigerianischen Bundestruppen. Sie dürfte sich hauptsächlich gegen den letzten biafranischen „Flugplatz" Uli richten, der eigentlich nur ein schmaler Landestreifen ist, auf dem jede Nacht Versorgungsgüter und Waffen eingeflogen werden.

Die militärische Lage Biafras ist trotz der Übermacht Nigerias nicht hoffnungslos. In den letzten acht Monaten haben die Biafraner zwar ihre provisorische Hauptstadt Umuahia räumen müssen, sie haben dafür aber im Südwesten erhebliche Landgewinne machen und Owerri zurückerobern können. Den Soldaten Gowons gelang es bisher nicht, ihre Stellungen in Umuahia auszubauen und auch die Hauptstraßen, auf denen sie ihren Nachschub von Port Harcourt nach Aba beziehungsweise nach Enugu transportieren, sind stets durch biafranische „Freiheitskämpfer" gefährdet, die hinter den offiziellen Fronten im Rücken des Feindes operieren.

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Nach Berichten ausländischer Journalisten rollt der Nachschub an militärischen Ausrüstungsgegenständen. In erster Linie ist es noch immer französisches Material, das von Libreyille eingeflogen wird, unter anderem auch französische Panzerspähwagen Über Tansania, das Biafra diplomatisch anerkannt hat, werden chinesische Waffen e:ngeflogen.

Auch die biafranische „Luftwaffe" ist in den letzten Monaten verstärkt worden. Insgesamt gibt es 16 schwedische Schulflugzeuge, die auf Initiative des Piloten Graf Rosen eingesetzt wurden. Zwei wurden nach Angaben aus Lagos in den letzten Tagen abgeschossen.

Aussichten auf einen, Waffenstillstand sind nicht in. Sicht. Ojukwus Angebot an Gowon, der mehr als zweijährigen Auseinandersetzung durch Einschalten der Schweiz ein Ende zu machen, ist auf keine Gegenliebe gestoßen. Gowon beharrt darauf, daß eine Regelung des Konflikts unter den Voraussetzungen getroffen wird, die die afrikanischen Staaten selbst festgelegt haben, das heißt Ojukwu hat zuallererst die Einheit Nigerias anzuerkennen.

Leidtragende dieses Konflikts sind die Flüchtlinge, die auf engem Raum im biafranischen Kessel nur eine sehr geringe Überlebenschance haben. Ihre einzige Hoffnung sind die Kirchenflugzeuge, die allnächtlich Lebensmittel und Medikamente von Sao Tome einfliegen. Bisher waren es insgesamt 4500 Flüge mit 50 000 Tonnen Fracht. Die Kosten dieser Operation — rund 60 Millionen Mark.

 
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