Brauaktionäre kassieren die Fusionsgewinne

Während der ZEITVolkswirt Index in; diesem Jahr um etwa 14 Prozent gestiegen ist, konnten die meisten Brauerei Aktionäre in den ersten elf Monaten dieses Jahres, ungleich höhere Kursgewinne buchen. Nur die Aktien der Dortmunder Union Brauerei und die Schwabenbräu AG, Düsseldorf, haben ihre Aktionäre enttäuscht. Nach Übergang der Majorität der Schwabenbräu an die Dortmunder Union :ist :in. diesem Papier keine spekulative Phantasie mehr. Der DUB Kurs leidet unter der Expansion der Brauerei, die nach dem Vorbild der Großchemie mit der Hingabe eigener Aktien andere Brauereien aufkaufte. Den neuen DUB Aktionären sitzen die ihnen überlassenen Papiere locker; sie werden ständig angeboten. Daraus zieht das Hamburger Zigarettenhaus Reemtsma seinen Nutzen, das zum Mißvergnügen der Dortmunder zielbewußt auf eine Schachtelbeteiligung an Deutschlands größter Brauerei zusteuert, ohne sich dabei finanziell überheben zu müssen. Da sich bislang kein anderer gefunden hat, der bereit ist, sich mit Reemtsma um die DUB zu schlagen, besteht für die Hamburger keine Notwendigkeit, die Paketbildung beschleunigt voranzutreiben.

Erheblich unter Börsenkurs soll Reemtsma jetzt 40 Prozent des 15 2 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals der Bavaria- und St. Pauli Brauerei, Hamburg, aus dem Besitz der Familie Pauls übernommen haben. Ob der scharfe Kursanstieg der letzten Wochen lediglich Ausdruck der Erwartung ist, Reemtsma werde sich mit 40 Prozent nicht zufriedengeben, sondern logischerweise die Mehrheit anstreben, oder ob Reemtsma — wie in Börsenkreisen vermutet wird — diese Aufrundung bereits vollzogen hat, läßt sich im Augenblick noch nicht klären. Sicher ist indessen, daß Reemtsma, das seinen Einzug in die Brauwirtschaft durch Übernahme einer Beteiligung an Henninger in Frankfurt begann, jetzt über einen leistungsfähigen norddeutschen Stützpunkt verfügt, um den sich gleichzeitig übrigens auch die Schultheiss Brauerei bemüht hatte. Durch den neuen Großaktionär, die Bayerische Hypotheken- und Wechsel Bank, wird sie wirkungsvoll in ihren Expansionsplänen unterstützt. Schultheiss hat sich ein „genehmigtes Kapital" von 23 3 Millionen Mark bei einem bestehenden Kapital von 46 6 Millionen an die Hand geben lassen, das zur Übernahme anderer Brauereien bestimmt ist.

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Schultheiss, von seinem bayerischen Großaktionär von Bayern ferngehalten, braucht im norddeutschen Raum noch eine Braustätte, um überall regional vertreten zu sein, wenn mit einer einheitlichen Marke für das gesamte Bundesgebiet gestartet werden soll. Ein Ziel, das sich auch Reemtsma und Oetker gesteckt haben.

Niemand hält es im Augenblick für möglich, daß die größte norddeutsche Brauerei, die Holsten Brauerei in Hamburg mit einem Ausstoß von rund 1 8 Millionen Hektoliter jährlich, in den Konzentrationsstrudel einbezogen werden wird. Mehrheitsaktionär ist hier Dr. Johannes Eisenbeiß (und mit einer Schachtel die Vereinsbank in Hamburg).

Bleibt als „interessantes" Objekt eigentlich nur die Haake Beck Brauerei in Bremen übrig. Sie stellt indessen für jeden Aufkäufer eine harte Nuß dar. Die Mehrheit des 12 3 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals liegt in Händen der Beck & Co, Exportbrauerei, Bremen, die sich wiederum im Besitz einer Erbengemeinschaft befindet, deren Mitglieder nicht ohne weiteres ihre Anteile an Dritte veräußern dürfen „Aber irgendwann wird jeder weich", meint man an der Börse und verweist darauf, daß sich bei HaakeBeck vor gar nicht langer Zeit eine Schachtelbeteiligung gebildet hat, sehr zum Unwillen der Majorität.

Über 25 Prozent des Haake Beck Kapitals liegen bei der Zürcher Birrac S A. Dieses Paket ist mit Hilfe des Reemtsma Schwiegersohnes Dr. Schorr zustande gekommen. Zwischen ihm und dem Haus Reemtsma bestehen keinerlei geschäftliche Beziehungen. Das schloß jedoch nicht aus, daß Haake Beck in den letzten Jahren immer wieder mit der Reemtsma Bierexpansion in Zusammenhang gebracht wurde. In Kreisen der Brauwirtschaft ist man sicher, daß die, Birrac ihr Paket verkaufen würde, falls ihr ein entsprechender Preis geboten wird. Aber mit einer Schachtel ist bei Haake Beck nicht allzuviel anzufangen. Beck & Co bestimmt, was hier gemacht wird. Und kein anderer.

Als Interessent für Haake Beck gilt auch Oetker. Im norddeutschen Raum ist er bislang kaum vertreten, wenn man von der Majoritätsbeteiligung der Kieler Brauerei „Zur Eiche" absieht, die wirklich nur lokalen Charakter hat. Die Schachtelbeteiligung an der Osnabrücker Aktienbrauerei ist ebenfalls kaum als Stützpunkt anzusehen, von dem sich der norddeutsche Biermarkt erobern läßt. Was sich einmal in Hannover tun wird, läßt sich gegenwärtig schwer abschätzen. Die Schachtelbeteiligung der Commerzbank an der Kaiser Brauerei könnte zu einem interessanten Handelsobjekt werden. Seit kurzem besitzt die Commerzbank auch an der Brauerei Isenbeck, Hamm, ein Paket von mehr als 25 Prozent (Ausstoß 410 000 Hektoliter).

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