Die Deutschen zahlen alles

Wie Ausländer mit Hilfe des Fiskus Millionen kassieren / Von Kurt Wendt

Deutschlands Reeder und Schiffbauer schlagen Alarm. Clevere Ausländer haben nämlich entdeckt, daß sie mit Hilfe der deutschen Steuergesetzgebung zu Schiffen kommen können, ohne zunächst eigenes Kapital einsetzen zu müssen. Ohne es zu wollen, zieht der deutsche Fiskus für deutsche Reeder eine unliebsame Konkurrenz heran. Dazu brauchen die Ausländer nicht einmal krumme Wege zu gehen. Alles läßt sich ganz legal bewerkstelligen.

Ausgesprochen sauer sind die deutschen Schiffer in diesem Zusammenhang auf Vize Admiral a. D. Bernhard Rogge. Er hat den Job übernommen, den Ausländern deutsche Millionen in die Kasse zu treiben. Im Sammeln von Geld für die christliche Seefahrt hat er Erfahrung. Er sammelte sie als Geschäftsführer der Deutschen Atlantik Linie, deren Schiffe von deutschen Großverdienern finanziert worden sind, die auf der Jagd nach steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten waren.

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Ausgangspunkt sind die steuerlichen Sonderabschreibungen auf Schiffsneubauten. Sie wurden eingeführt, um den kapitalschwachen deutschen Reedereien schiffahrtsfremdes Kapital zuzuführen. Sie bestehen heute noch, weil die Schiffe immer teurer werden und die meisten Reeder nicht daran denken, können, das dafür erforderliche Eigenkapital aus eigener Kraft zusammenzubringen. Als man die steuerlichen Sonderabschreibungen zuließ, hat der Gesetzgeber die Kapitalbeschaffung der Reeder erleichtern wollen, keineswegs beabsichtigte er, Großverdienern die Möglichkeit zu geben, Gewinne vor dem Fiskus in Sicherheit zu bringen.

Ohne diese Sonderabschreibungen würde es heute keine deutsche Handelsflotte geben. Aber jetzt stellt sich, plötzlich heraus, daß der Gesetzgeber in der Formulierung seiner Bestimmungen zu großzügig war. Ausländer haben den Weg entdeckt, wie §jch der deutsche Fiskus zum Nut zen ihrer eigenen Pläne schlicht und einfach aus- nehmen läßt. Musterbeispiel dafür ist der Fall Intermare.

Seit einigen Wochen ist die Wirtschafts- ußd Finanzberatung GmbH Consulta bemüht, für die Münchener Intermare KG KS Kühlschiff GrobH Die Geldgeber sollen Kommanditisten dieser Firma werden. Ihnen wird ein Steuervorteil von 173 Prozent und eine Rückzahlung ihres Kapitals zum Preis von 138 Prozent versprochen. Intermare will mit diesem Geld sechs unter deutscher Flagge fahrende Kühlschiffe finanzieren. Sie sollen zusammen knapp 209 Millionen Mark kosten. Intermare Geschäftsführer Henning Voigt aus Braunschweig tut die Angriffe der deutschen Reeder, er sei Steigbügelhalter ihrer Konkurrenz, mit dem Hinweis ab: „Bei Intermare handelt es sich um eine rein deutsche Gesellschaft. Alle Gesellschafter der KG und der GmbH sind Deutsche. Daß GeiSchäftsbeziehungen zu soliden ausländischen Firmen bestehen, ändert nichts daran " Doch diese Geschäftsbeziehungen sind besonderer Art. Dazu bedarf es eines Wegweisers. Komplementär der Kommanditgesellschaft, in die die Kapitalgeber eintreten sollen, ist die KS Kühlschiff GmbH, deren Anteile zu je 50 Prozent durch Vize Admiral a. D. Rogge und H. L. Voigt gehalten werden.

Die Schiffe von Intermare werden sofort nach ihrer Indienststellung an die in Panama registrierte Maritimecore S A für zehn Jahre verchartert mit der Möglichkeit, die Verträge um weitere acht Jahre zu verlängern. Bei der Panama Reederei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Maritime Fruit Carrier Ltd. (MFC), Haifa, die als „sehr kapitalkräftige Schiffahrtsgesellschaft" im Prospekt bezeichnet wird. Sie verfügt — so wird gesagt — über Kapitalien von 32 5 Millionen Dollar. Aber wer genau liest, wird feststellen, daß dieser Betrag nicht etwa Eigenkapital ist, sondern sich aufteilt in Eigenkapital und Kapital aus durchgeführten Emissionen. Motto: Mehr scheinen als sein. Im übrigen können die Kommanditisten ohnehin nicht auf die MFC zurückgreifen. Denn bei Licht betrachtet, haben sie es nur mit einer Tochtergesellschaft zu tun, über deren Kapitalkraft nichts gesagt wird.

Die Intermare Schiffe werden auf den norwegischen Werften Akers und Drammen Slip 8t Verkstedt gebaut „Für den Bau der Schiffe wurden mehrere Angebote eingeholt. Das Angebot der Akers Werft, dem mehrere Konkurrenzangebote zugrunde lagen, lag auf der mittleren Linie", behauptet Geschäftsführer Voigt. Experten bezweifeln das. Sie rätseln daran herum, wie die Gesamtinvestitionssumme von rund 209 Millionen Mark zustande kommt. Der Prospekt verschweigt leider, wie teuer ein Schiff ist. Auch wenn man die normalen Verkosten für Zwischenfinanzierung und ähnliches von rund 30 Millionen Mark abzieht, verbleibt ein Betrag von rund 179 Millionen Mark für die sechs Schiffe, also knapp 30 Millionen je Schiff. Nach Angaben deutscher Schiffbauer kosten Kühlschiffe in der im Prospekt beschriebenen Größe aber höchstens 20 Millionen Mark.

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