Die Leser und die Fliegen

Von Wolfram Siebeck

Wenn Sie sich die Mühe machten, einmal genauer hinzusehen, würden Sie entdecken, daß nicht — wie von Ihnen vermutet — das Fenster den Fliegen als Lösungsplatz dient, sondern die Deckenlampe. Es ist übrigens nicht waidmännisch, die Fliegen am Lösungsplatz anzupirschen, sei er nun das Fenster oder die Lampe.

Bei meinen langjährigen Aufenthalten im Fernen Osten konnte ich feststellen, daß die Fliege dort einen festen Platz auf der Speisekarte hat. Unser Gut in Ostpreußen war bis zum 2. Weltkrieg der Lieferant der begehrten Pillupöner Fliegenschinken. Dort sorgte auch meine Großmutter auf traditionelle Weise für den fliegenlosen Winter vor: im Gutskeller bogen sich die Regale unter den Gläsern mit eingemachten Fliegen, die uns nicht nur bis Ostern den Sonntagsbraten lieferten, sondern auch von den Verwandten im Reich als Weihhachtsgabe freudig begrüßt wurden. Unrichtig ist Ihre Behauptung, daß im Revier des Generaldirektors Schmenck sieben Treiber bei der Fliegenjagd verletzt worden sind. Richtig ist vielmehr, daß eine Hausangestellte von einem Brummer attackiert wurde, den Herr Schmenck mit einem wohlgezielten Schlag erlegen konnte. Ihr Herr Wolfgang Siebeck sollte, weniger Fliegen fangen und dafür gründlicher lesen: Platon schätzte Fliegenkeulen nicht nur besonders hoch ein — er aß überhaupt nichts anderes, wenn er von der Fliege aß! Ergänzend zu Ihrem informativen Beitrag über die Fliegenjagd möchten wir Ihnen mitteilen, daß wir seit 1968 Fliegensafaris nach Kenia und Urundi arrangieren. Ein 14tägiges Arrangement einschl. 200 Fangprämien können wir schon ab 2785, — DM anbieten. Unsere bekannten Fliegenjagd Einzelreisen in die Fliegenländer des Ostblocks (ganzjährige Jagdzeit!) sind bis 1971 aus- verkauft! Ich habe im Frühsommer ein verlassenes Fliegenjunges gefunden und mit der Flasche aufgezogen. Die Anhänglichkeit des Tieres ist beispiellos und für mich der schönste Lohn für alle an seinem Lager durchwachten Nächte.

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