FILMTIPS

Sollten Sie sehen: Untersrund-Kino

Das Revolutionäre der sogenannten Undergroundfilme besteht darin, daß sie den Film unbrauchbarmachen für die gesellschaftliche Verwendung: in ihnen hört der Film auf, „Sprache" zu sein und wird auf neue Weise das, was er in seinen Anfängen war: visuelle Evidenz. Und damit das Gegenstück zur Poesie, die vor der Prosa war, „wie der Gartenbau älter als der Acker, Malerei als Schrift, Gesang als Deklamation, Gleichnisse als Schlüsse, Tausch als Handel", wie Hamann erkapnte.

Das Kino der Poesie, der Evidenz, der Revolution existiert. Auch bei uns. Zum Beispiel in: „Italienisches Capriccio", von Vlado Kristl, „Auch diesesmal muß ich feststellen, daß ich niemandem etwas zu sagen oder entgegenzubringen gehabt habe. Keinen Gedanken, keinen Ratschlag und kein Verständnis. Ich bin überzeugt, daß das eine von den Methoden ist, den Film uninteressant zu machen. Nur die Filme sind richtig, die Ordnungen zerstören. Wer etwas versteht, hat nichts getan, aber gar nichts! Jeder Film muß am Ende, eine Schande sein!" (Vlado Kristl). ? „Nebula", von Werner Nekes Nach „Kelek" der zweite lange Film (76 Minuten) von Nekes und wie dieser eine Schule des Blicks, in der eine zärtliche Solidarität mit Menschen, Dingen und Vorgängen gelehrt wird. Blicke aus Fenstern auf gegenüberliegende Fenster und Balkons. Blicke in Räume, Flure, Treppenhäuser.

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„Eika Katappa", von Werner Schroeter. Ein Film aus lauter Abfällen christlich abendländischhumanistischer Kultur, aus Kreuzabnahme und Nibelungenlied, Tosca und Tango: ein 144 Minuten Wunschkonzert. Kitsch wird hier der Kunst nicht kritisch konfrontiert, sondern beides begriffen als Realität: Realität der unerfüllten Träume, in denen doch der menschlichen Hoffnung besserer Teil steckt.

„Schwestern der Revolution", von Rosa von Praunheim. Ein Film über die sozial geprägten Formen der Sexualität, die allesamt Verstümmelungen bedeuten, die offiziellen der bürgerlichen Ehe ebenso wie die inoffiziellen der Homosexualität. Der Film tritt ihnen nicht scheinobjektiv gegenüber, sondern macht sich selbst zum Ausdruck der Verzweiflung, mit der die Hoffnung beginnt. „Die Unterdrückung der Frau ist vor allem am Verhalten der Frauen selber zu erkennen", von Hellmuth Costard „Der Film zeigt, was einen ganzen Tag zu Hause passiert, wenn der Mann auf Arbeit ist", behauptet Costard. In Wirklichkeit zeigt er einen Mann, der einen Tag vor der Kamera zu spielen versucht, was nach seiner Meinung eine Frau einen ganzen Tag macht, wenn der Mann auf Arbeit ist.

Regelmäßige Vorführungen mit Filmen wie diesen finden in der Bundesrepublik gegenwärtig in folgenden Orten statt: Bremen (Cinema am Ostertor, wöchentlich, meist freitags). Frankfurt (Movie, Palette, jeden Dienstag; Das Andere Kino, Die MainingerKleines Resistenztheater, jeden Dienstag und; Mittwoch) : Hamburg (Prokinoff, Siemens Hochhaus am Doormannsweg, jeden Mittwoch; Aladin, Reeperbahn, jeden Freitag; Filmkunst Dammtor, wöchentlich einmal). Hannover (Ufa Theater am Thielenplatz, jeden Freitag). Kiel (Studentenfilmcoog, Studentenhaus Westerring, jeden Donnerstag). Köln (XSCREEN, City, Ehrenstraße, jeden Freitag). München (undepenmannstraße, jeden Freitag). Würzburg (Cinema Studio, Ludwigstraße, jeden zweiten Dienstag). In weiteren Städten werden regelmäßige Vorführungen vorbereitet oder finden unregelmäßig Vorstellungen statt: Berlin (Freurulc der Deuteinigung. Centre), Essen (Cinema 66), Karlsruhe (Galerie übü), Stuttgart (Filmclub der Technischen Universität). Frieda Grafc und Enno Patalas

 
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