Inkonsequent
Die Kurse der festverzinslichen Papiere machen nicht nur den Sparern Sorge, sondern auch den Banken und Versicherungen, die es nicht gerade gern sehen, wenn sie auf ihre Bestände hohe Abschreibungen vornehmen müßten. Große und Kleine sitzen hier also in einem Boot. Nur mit dem Unterschied, daß die Banken ein wenig steuern können, während die Sparer dem Markt hilflos ausgeliefert sind.
Nun ist das Geld der Kreditinstitute knapp geworden. Einmal wegen der konjunkturell verständlichen wachsenden Kreditnachfrage, zum anderen aber auch wegen ihrer Geldexporte. Die hohen Zinsen im Ausland — teilweise bis zu 13 Prozent — locken. Es ist also kein Wunder, wenn die Banken es für ratsam halten würden, ! daß die öffentliche Hand vorerst auf neue öffentliche Anleihen verzichtet. Diese Neuemissionen, höchstens mit einer Rendite von 7 5 Prozent ausgestattet, würden nur unter Schwierigkeiten absetzbar sein, ein Teil müßte wahrscheinlich ins Portefeuille der Konsortialbanken wandern — bis wieder besseres Rentenwetter herrscht. Doch wenn Bankiers den Staat zur Zurückhaltung auffordern, sollten sie eines bedenken: Solange sie selbst recht munter Markanleihen ausländischer Emittenten auflegen, wirken ihre Maßhalteappelle unglaubwürdig. Zumal man weiß, daß Auslandsanleihen gute Geschäfte darstellen.
- Datum 05.12.1969 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 5.12.1969 Nr. 49
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