Mietwagen Profit aus der Parknot
Der Hamburger Kaufmann Vittorio Savignano fährt einen großen Mercedes und ärgert sich ständig. In der Innenstadt findet er kaum einen Parkplatz, und wenn er mal ein wenig falsch parkt, dann gibts „immer gleich einen Strafzettel". Savignano fährt manchmal mit einem Hat 500. Da findet er fast immer, wenn auch nicht ganz im Rahmen der Vorschriften, eine Parklücke, und: „Aufgeschrieben wurde ich mit dem Fiat noch nie " Die persönlichen Parkerfahrungen brachten Savignano auf die vorzügliche Idee, aus den Parkproblemen seiner Mitbürger ein Geschäft zu machen. Seit einigen Wochen vermietet er in Hamburg „Mini City Cars", das sind vorerst zwanzig gelb lackierte Fiat 500 Winzlinge die jeder Großwagenbesitzer an einigen Esso, Shell, BP- und AralTankstellen mieten kann.
Das funktioniert so: Der eigene Wagen wird an der Tankstelle zum Waschen, Pflegen und Reparieren abgegeben, und die Fahrt wird mit einem „Mini CityCar" fortgesetzt. Mietpreis: Fünf Mark für zweieinhalb Stunden. Die „City CarGmbH" rechnet mit der Tankstelle auf Provisionsbasis ab oder vermietet im Leasing Verfahren die Wagen ganz an die Tankstelle.
Bei der Esso fand man Savignanos Projekt „einfach fabelhaft", und in Zukunft sollen auch Reparaturwerkstätten, Hotels und Fluggesellschaften das Geschäft mit den gelben Minis entdecken. „Die Nachfrage", so Savignano, „ist sehr groß". Die Fluggesellschaft PanAm will zum Beispiel alle Berlin Besucher am , Flughafen mit einem der gelben Flitzer bedienen.
Reparatur, Wartung und Wiederverkauf (nach einem Jahr) der Wagen übernimmt jeweils für einen Bezirk ein großer Fiat Händler. Der Händler wird dafür an der regionalen „City Car GmbH und Co KG" beteiligt. Dafür, daß aus Italien auch genügend Autos für die schnelle Expansion geliefert werden, steht Savignano gerade. Der Hamburger Kaufmann italienischer Abstammung hat ausgezeichnete Verbindungen zu Fiat in Turin.
Vorerst machen die „City Cars" nur den Taxis und den Nahverkehrsunternehmen Konkurrenz. Doch warum sollte Savignano eines Tages nicht auch „Intercity Cars" vermieten? Die Voraussetzungen wären ideal.
Wenn sich in vielen Städten Fiatwerkstätten und Tankstellen für die Zusammenarbeit finden, dann ließe sich auch ein richtiger Wagenverleih organisieren. Gegenüber „Hertz" oder „Avis" hätte man große Vorteile: Ein eigenes Netz von Büros ist nicht nötig, das wür : den die Tankstellen und Werkstätten übernehmen, und sie würden obendrein auch noch für billige Pflege und Wartung der Autos sorgen.
Doch vorerst hat Savignano andere Sorgen. Er will seine gelben Autos als Werbeträger einsetzen. Die Dortmunder Hansa Brauerei hat ihm angeboten, für, die Bierwerbung auf den gelben Minis imMonat und pro Wagen 50 Mark zuzahlen. Fragt sich Savigtiano: „Werden die Deutschen sich in ein Auto setzen, das mit Bierflaschen bemalt ist?" rod
- Datum 05.12.1969 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 5.12.1969 Nr. 49
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