Reisen mit Rabatt
1985 werden die Deutschen, so rechnete der Tübinger Professor Horst Wagenführ aus, 18 Milliarden Mark für das Freizeitvergnügen Reise ausgeben. Kein Wunder, daß mehr Unternehmen sich zusätzlichen Profit vom deutschen Urlauber versprechen.
Vier „große Neulinge" machten in diesem Jahr von sich reden: Das Warenhausunternehmen Kaufhof (es wird allerdings erst frühestens im nächsten Jahr eigene Reisen verkaufen, die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), die ihre g u tReisen bereits in dieser Wintersaison anbietet, die deutschen Sparkassen und die Raiffeisenbanken. DerKäur >höf rün3 !die Sank für Gemeinw irt; schaft sind ehrgeizig — sie wollen bessere Reisen machen als ihre Konkurrenten. Sparkassen und Raiffeisenbanken sind dagegen faul. Sie wollen hauptsächlich „nur" verkaufen und nicht selbst organisieren.
Die Raiffeisenleute haben sich mit TouropaHummel Scharnow Tigges der Touristik Union International, TUI, arrangiert. Die Sparkassen betätigen sich als „Vertrieb" für alles, was im Tourisüikreich des Quelle Chefs Konsul Schickedanz produziert wird. Doch damit nicht genug, sie vertreiben auch die Programme des 1 Deutschen Sport Reisedienstes, der Deutschen Jugend Reisen, des Deutschen Studenten Reisedienstes, des Jugendfahrtendienstes, des Club 28, von Paneuropa und Star Jugendreisen.
Bei den Sparkassen ist schon klar, wo der Witz liegt: Den Touristen werden handfeste Rabatte in Verbindung mit einem Reisesparprogramm gewährt. Bei den Raiffeisenbanken sucht man solchen Witz bislang vergebens. Da wird etwas anders argumentiert: Es soll noch ganze Bevölkerungskreise geben — nämlich die auf dem „offenen Land" —, denen bisher die rechte Reiseberatung fehlte. Hier will Raiffeisen helfen.
So klar das Rabattkonzept bei den Sparkassen ist :— wenn auch nur in den Grundzügen —, so kompliziert ist die Konstruktion dieser Gruppe. Ihr Mittelpunkt ist der Deutsche Sport Reisedienst, eine unabhängige gemeinnützige Vereinigung der 4000 deutschen Sportvereine und verbände, die weit über eine Million. Mitglieder repräsentieren.
Dieser Sportreisedienst unterhält in Köln eine „zentrale Buchungsstelle". Wer bei dieser Zentrale bucht, der bekommt einen Rabatt von drei Prozent — ganz gleich aus welchem Programm der beteiligten Veranstalter er sich die Reise ausgesucht hat. Es spielt auch keine Rolle, woher er den Reiseprospekt hat.
In den Sparkassen findet der potentielle Kunde einen Gemeinschaftsprospekt, in dem bunt genehmen hingewiesen wird Über das Reisesparen erfährt man: „Einfach und bequem", „hohe Zinsen", „Reise Ziel Sparverträge verpflichten Sie nicht zur Reise", „Sonderpreis für Zielsparer". Den Sparyertrag macht er mit der Sparkasse, die Buchung muß er selbst erledigen, Reiseberatung gibt es nicht.
- Datum 05.12.1969 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.12.1969 Nr. 49
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