Reisen und Lesen
Ceylonfahrer — eine "daak der Segnungen moderner Flugtouristik rasch wachsende Zahl — dürfen aufatmen. Endlich gibt es ein deutschsprachiges umfangreiches und ausführliches Reisebuch über die „Trauminsel der ITropen" — Max Mohl: „Im Banne Buddhas 296 Seiten mit 11 Photos und l Karte, Anhang mit Erläuterungen und Register; Berteismann Sachbuchverlag; 24 Mark.
An Wissenswertem erfährt der Leser die Füllej wo man wohnt und was man ißt (Curry in allen [Variationen, gebratene Wanderoo Aff en, Leguanschwanz und junge Mauerschwalben); wo man Rupien günstig auf dem Schwarzmarkt tauscht, gefahrlos Edelsteine kauft;(nämlich am Fundort Ratnapura), Verbilligungskarten für die Esenbahn und eine Erlaubnis zum Photographieren erhält; wie man sich vor Taschendieben, Zecken, Blutegeln und dem Hautausschlag „Roter Hund" schützt; was man dringend besichtigen muß: den Löwenfelsen von Sigiriya, die Ruinenstädte Anuradhapura und Polonnaruwa, das Kloster Dambulla, die Königsstadt Kandy mit dem Tempel von Buddhas Zahn und den berühmten Tänzern, Paradeniya, einen der schönsten botanischen Gärten der "Welt, die Korallenriffs von Hikkaduwa und Adams Peak, den heiligen Berg der Insel. Man erfährt, wie Arrak und Kautschuk gewonnen werden und wo der Tee wächst: am edelsten im Hochland bis zu 1500 Metern : Ferner wird berichtet: von kommunistischer Propaganda und westlichen Public Relation, von modernem Gesundheitswesen und altindischer Naturheilkunde, von Besiedlung und Bevölkerungsgruppen. Und immer wieder: vom ßhamma, der Lehre des großen Buddha . Geschichte und Geschichten, Geographie und Wirtschaft, Religion und Botanik, Zoologisches und Soziologisches, persönliche Impression und (mehr oder weniger) sachlich Information, Legenden, Anekdoten und Kalauer — alles in sorglosem Neben- und Durcheinander, in mundgerechte Happen zerteilt: Ceylon vom kalten Büfett, sozusagen.
Leider hatte der Autor den originellen Einfall (dem vor ihm schon etliche Hersteller von Sachbüchern, Fernsehsprachkursen und ähnlichen Lehrwerken erlagen), seine Weisheit mittels eines jungen munteren Paares an den Mann zu bringen. Hier sind es Sabine und Thomas, die, frisch vermählt, die Insel in einer Art Sightseeing tourde force durcheilen und mit teils fröhlichem, teils albernem Geplapper die Landschaft und die Buchseiten füllen. Wo immer man den Blick frei auf Tempel, Städte und Ruinen haben möchte, stellen sich die beiden störend ins Bild. Und noch in blütenduftschwerer Tropennacht müssen die Armen ganz zwanglos über „Verdienstakkumulation", „Heilscharisma" und „eschatologisches Ziel" plaudern: die Sache wills . R. R. Wußten Sie, daß Sie auf Abwegen vom Gesetz sind, wenn Sie auf Ski über beschneite Abhänge" flitzen?" Diese Entdeckung machte jüngst ein schweizerischer Bundesrichter " Er stellte fest, daß noch keineswegs höchstrichterlich entschieden ist, ob überhaupt auf Almen, Äckern und Wiesen abgefahren werden darf. „Da haben wir die Bescherung!" spricht Luis Trenker, ungezwungen wie stets, in seinem neuesten Buch und vermerkt gleichzeitig, daß ein internationales Skirecht erst erarbeitet wird, obwohl der Schneeschuhlauf bereits seit Jahrzehnten praktiziert wird.
Wenn Trenker ins Erzählen kommt, geht es fast immer um die Berge; diesmal sind die Berge im Schnee Hauptperson. An ältere Werke schließt die Arbeit — Luis Trenker: „Bergferien im Winter 192 Seiten mit 128 zum Teil farbigen Photos; C. Berteismann Verlag, Gütersloh; 19 80 Mark an. Da schmilzt unweigerlich die Erinnerung an Sommerhitze an der Adria oder an die Burgundreise im goldenen Herbst — „das blendende Licht des Winterkleides" ist zu verführerisch. Der Luis spinnt sein Garn sehr überzeugend und charmant „Wenn die Menschen nur wüßten, wie schön es auf den Höhen über dem Tal ist, sage ich mir immer wieder", schreibt er auch immer wieder — man glaubt es immer wieder. Denn Trenker schwärmt nicht von Schnee und Berg, er macht vielmehr seine Liebeserklärung zu einem praktischen Ratgeber für Erholungsbedürftige und begierige. Tüchtig rechnet, er mit jenen ab, die die Natur geradezu als, störend empfinden in ihrer Pseudoweit zwischeii Lift und Piste, Eisstadion und Apres Ski. Wer sich über Vorzug, Vergnügen und Vorbereitung eines Winterurlaubs informieren will — hier kann er es mühelos.
Trenker gibt im Plauderton Anleitung zu Ausrüstungsfragen, er erklärt Fachausdrücke und einzelne Sportarten und er hüllt diese Theorie in literarisches Schneegestöber. Solche Auflockerung unterbindet Langeweile, lesend lernt sichs spielend.
Luis Trenker zeigt an Beispielen den Unterschied zwischen echter und verkaufsträchtiger Folklore auf; er erteilt dem Apres Ski eine gutmütige, kernige Abfuhr, Pistenspuk und wilde Mädchen gibt es eh nur als Zeitungsenten, meint er.
Grandios sind die zahlreichen Photos. Großformatig, meist schwarzweiß, von ausgesuchter Qualität: Die Berge leben, das Schneeweiß glitzert, die Kristalle funkeln. Diese Zuckerbäckerweit ist ohne Kitsch.
- Datum 05.12.1969 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.12.1969 Nr. 49
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