Fernsehen; Saat der Gewalt? Saat der Gewalt!

rARD, Donnerstag, 27. November: „Almamater", Fernsebspiel von Rolf Hädrich und Dieter Meichsner Jetzt endlich weiß man es: So also sehen Professoren, so Studenten aus. Die einen sprechen wie Burgtheater Akteure, mal unterkühlt, mal in Kainzscher Manier (mit großem Ausbruch und schleudernden Gesten), die anderen lassen liberale Scheiße perpetuieren, den Terror verinnerlichen und den Widerspruch gegen die manipulierte Meinung artikulieren. Von ein paar Nuancen abgesehen (ein Opportunist unter den Professoren paktiert mit den Studikern und kriegt dafür sein Fett), mit Ausnahme einiger Arabesken am Rande (ein Häuflein stummbraver Studenten als Gegenchor) standen die Fronten fest: So gut die einen und die anderen so terroristisch und bös, so strahlend der sentimentalische Held dieses Stücks, ein liberaler Jude namens Freudenberg, so sinister die Schmierer und Schreier, die Kommunarden und roten Megären auf der anderen Seite. Reaktionäre Ordinarien als mächtige Gruppe? Liberale, radikaldemokratisch gesinnte Studenten, Freudenbergs Partner? Linke "Wissenschaftler, Männer, die den Kommilitonen beweisen, daß der Kampf an der Universität in "Wahrheit ein innerbürgerlicher Konflikt ist, die Studenten keine ausgebeutete Klasse bilden, die eigentliche Entscheidung in der Produktionssphäre fällt? Radikale Genossen, die Selbstkritik üben? Sektierertum der reinen Lehre — und der Reaktion zuliebe? Gibts alles nicht, kommt alles nicht vor, ist zumindest ohne Bedeutung.

Hier wurden — und dies von zwei verdienten und ehrenwerten Autoren! — wahllos Versatzstücke aneinandergereiht, ein bißchen Kommune, eine Prise Fakultäts Atmosphäre, ein paar Sprechchöre, ein Quentchen teach in Terrotismüs, hier paßte alles zu allem, das Spiel zur (Pseudo ) Dokumentation, das (funktional sinnlose) Zitat zur Fiktions Passage (ohne Stellenwert); hier wurde die Realität verspielt und das Spiel in einen Leitartikel mit verteilten Rollen verwandelt. Statt den Raum zu erweitern und, dialektisch, hinter der Wirklichkeit auf die Möglichkeit zu verweisen, machten die poetischen Klischees aus den geschilderten, mit Hilfe von einander widersprechenden Stilmitteln dargebotenen Ereignissen eine krude Vordergrund Farce.

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Man hätte, in aller Gegensätzlichkeit, ein Modell darstellen, hätte "Widersprüche aufzeigen und dem Betrachter am Bildschirm ein kritisches Urteil ermöglichen können. Ein Film von Kluge und von Habermas. Statt dessen bot man eine Kolportage in der Machart der Berliner Morgenpost oder der 5iW 2eitung. Rot gleich braun hieß die Devise SA marschiert, wie lange, Bürger, willst du noch warten? Verallgemeinerungen allüberall, Studenten standen am Pranger, Differenzierungen von Gewicht fanden nicht statt, Vorurteile wurden verstärkt, aufklärerische Thesen vermieden. Schwarz sah sich mit "Weiß konfrontiert; ein edler Held, der Konflikt wollte personalisiert sein, fiel seinen Schergen zum Opfer, der Jude den na, wem denn wohl? Die Ratio verhüllte ihr Haupt; Pogrom Atmosphäre wurde gefördert. Zur Identifizierung (mit dem noblen, nun zum zweitenmal gejagten Wild) auffordernd, gab man die als Meute etikettierten Studenten der Volkswut preis und glaubte womöglich noch, man habe, statt der niederträchtigen, der baren Reaktion der Sache der Liberalen gedient.

Das Deutsche Fernsehen aber sei gebeten, zur Korrektur dieses Films ein Stück zu zeigen, das darzustellen sucht, wohin man kommt, wenn man die Vorurteile schürt und ihnen folgt. Das Stück heißt Die Juden". Sein Autor ist Lessing. Momos

 
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