Schlachtfest

Passiertnicht gerade ein Wunder, dann wird demnächst eine halbe Million glücklicher Kühe, korrekt mit Kennkarten versehen, den letzten Gang zum Schlachthof antreten müssen. Nur so glaubt der EWG Ministerrat, der steigenden :Milchschwemme Herr zu werden. Europas Kühe produzieren nämlich sechs Millionen Tonnen zufiel Milch.

Widerspruch gegen die anempfohlene Massenschlachtung zugunsten der Milchdrosselung ist kaum zu erwarten. Denn in Europa sind nicht die Kühe, eher schon die Bauern „heilig". Und ihnen zahlt die Agrargemeinschaft je Kuh 732 Mark, sofern sie mindestens zwei, höchstens aber zehn Kühe mit einer Mindestproduktion von jährlich 2000 Litern Milch zu opfern bereit sind. Die Prämie freilich, kann auch kassieren, wer sich verpflichtet, seine Kühe künftig zu mästen statt zu melken.

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Europas Hausfrauen dürften dafür sogar dankbar sein, steigt doch der Rindfleischbedarf ständig an. Fragt sich jedoch, ob vor allem kleine Kuhhalter, die ja allmählich aus dem Produktionsprozeß verschwinden sollen, bereit sind, sich statt des Melkens der nicht minder harten Mästarbeit zu widmen. So wird es wohl beim Schlachtfest bleiben. Wem das drohende Gemetzel dennoch zuwider ist, dem sei schlicht empfohlen, mehr Milch zu trinken Dann brauchten weniger Kühe ans Messer geliefert zu werden bff

 
  • Quelle DIE ZEIT, 5.12.1969 Nr. 49
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