Unversöhnlich
Für Aussöhnung treten auch die Sudetendeutschen ein, für Verständigung mit den Tschechen und Slowaken. So jedenfalls steht es in einer Entschließung, die von der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft dieser Tage einstimmig verabschiedet wurde. Geht es diesen ehemaligen Vertriebenen wirklich darum: um Versöhnung? Da wird in der Entschließung auch behauptet: Unter dem sowjetischen Druck „leiden heute die Tschechen und Slowaken mehr als unter den Folgen des Münchner Abkommens". Welche dreiste Behauptung, welch schiefer Vergleich. München und seine Folgen — das bedeutet für jeden Einsichtigen: die Zerstörung der CSSR, Auftakt zum Zweiten Weltkrieg; das sind über 50 Millionen Tote, darunter 260 000 Juden aus der Tschechoslowakei und mehr als 1500 Geiselopfer nach dem Heydrich Attentat; das sind, auch dies als eine „Folge" des Münchner Abkommens, drei Millionen vertriebene und viele tausend getötete Sudetendeutsche. Und dies alles soll weniger schrecklich, weniger grausam sein als die Auswirkungen des sowjetischen Drucks auf Prag? Da waren wieder einmal die Geschichtsklitterer am Werk, die Aufrechner. So fängt keine Versöhnung an. Das ist die Sprache der Unversöhnlichen. D. St.
- Datum 05.12.1969 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 5.12.1969 Nr. 49
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