Schultheiss auf dem Weg zur Bundesmarke Bayerns Bier durch Banken geschützt

Mit dem Erwerb einer Schachtelbeteiligung an der Schultheiss Brauerei hat die Bayerische Hypothekenund Wechsel Bank den Expansionsdrang der Berliner an den weiß blauen Grenzpfählen gestoppt. Das bedeutet nicht, daß das Münchner Institut Bayern zu einem Naturschutzpark für heimische Brauereien machen will. Auch in Bayern wird es Brauerei Fusionen geben. Aber man will unter sich bleiben und sich, nicht von den großen deutschen Braugruppen aufkaufen lassen. In München hat man es immer noch nicht verwunden, daß die zur Wehrhahn Gruppe gehörenden Wicküler Kupper Brauerei AG, Wuppertal, plötzlich als Schachtelaktionär bei „Löwenbräu", München auftrat. Dort hatte die Schutzmacht der bayerischen Banken versagt. Vom bayerischen Standpunkt ist diese Beteiligung einer nordrhein westfälischen. Gruppe allerdings kein großes Unglück. Denn Löwenbiäu regiert nur derjenige, der die 50 400 Mark Namens Vorzugsaktien besitzt, die 31 Prozent der Gesamtstimmenzahl der Gesellschaft repräsentieren. Und das ist die Custodia GmbH, München, an der je zu einem Drittel das Bankhaus Merck, Finck 8t Co, die Bayerische Vereinsbank und die Bayerische Hypotheken- und Wechsel Bank beteiligt sind. Die Wicküler Brauerei hat auf die Geschäftsführung bislang keinen Einfluß gewinnen können. Das wird auch in Zukunft nicht anders werden. Mehr als zwei Aufsichtsratssitze brachte diese Beteiligung den Wuppertalern bislang nicht ein. Aber vielleicht wird das Paket eines Tages einmal zu einem interessanten Handelsobjekt.

Denn in Nordrhein Westfalen bleibt der Biermarkt in Bewegung. Wenn der Plan Wirklichkeit werden sollte, der vorsieht, daß die Dresdner Bank ihre Mehrheitsbeteiligungen an der Dortmunder Ritterbrauerei AG und an der Elbschloss. Brauerei, Hamburg, in die Schultheiss Brauerei einbringt und dafür gleichberechtigter Schachtelaktionär neben der Bayeräschen Hypotheken- und Wechsel Bank wird, dann gewinnt die Berliner Brauerei einen leistungskräftigen Stützpunkt, von dem aus sie dann weiter an den Rhein vordringen könnte.

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Die Berliner Brauerei hat den großen Vorteil, mit dem Schultheiss Bier bereits über eine wirkliche nationale Marke zu verfügen, die sich andere erst schaffen müssen. Brauereiexperten sind der Ansicht, daß der Schultheiss Vorsprung auf diesem Gebiet bereits so groß ist, daß gleichgerichtete Konzeptionen kaum Aussicht auf Erfolg versprechen. In der Bier starken OetkerGruppe scheint man dies bereits einzusehen. Aber bis Reemtsma die Voraussetzungen für eine Bundesmarke geschaffen haben wird, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Zäh ringen müssen die Hamburger Zigarettenhersteller noch um Deutschlands größte Brauerei, der Dortmunder Union Brauerei, wo ihnen noch einige Prozente an der Schachtelbeteiligung fehlen. Doch auch ein Besitz von 25 Prozent wird nicht ausreichen, um Dr. Felix Eckardt, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Dortmunder Union, zum Kooperieren zu bekommen. Er fühlt sich mit seiner Brauerei stark genug, um auch künftig allein marschieren zu können.

Bei Dortmunder Ritter wirdes zu einer Konfrontation mit der verstärkten Schultheiss Gruppe kommen. Die Dortmunder Union ist an Ritter mit 37 Prozent beteiligt und kann infolgedessen alle Pläne blockieren, die nach der Satzung eine Hauptversammlungsmehrheit von mehr als 75 Prozent voraussetzen. So lange die Aussicht bestand, Dortmunder Union und Ritter eines Tages zu vereinen, hatte die Beteiligung einen unternehmerischen Sinn. Eckardt konnte jedoch für diese Art von Bereinigung Dortmunder Brauerei Verhältnisse keine Sympathie aufbringen und hat die ihm mehrfach angebotene Chance verpaßt. Jetzt könnte Eckhardt mit dem Ritter Paket nur noch Bremserfunktionen ausüben, eine finanziell sehr teure Tätigkeit, zumal die Dortmunder Union ihr Geld wahrscheinlich nutzbringender anlegen könnte.

Die in der Schultheiss Gruppe künftig verbundenen Brauereien könnten rasch zu nutzbringenden Gemeinsamkeiten kommen. Dabei ist allen Beteiligten klar: Schultheiss kann von Berlin aus nicht unumschränkt herrschen. Vielmehr ist der Schultheiss Vorstand auf die Zusammenarbeit mit den Vorständen der verbundenen Brauereien angewiesen, die ja aktienrechtlich selbständige Unternehmen mit eigenen Aktionärskreisen bleiben. Im „Abhängigkeitsbericht" muß jährlich festgestellt werden, daß der Großaktionär keine Geschäfte zu Lasten seiner Beteiligungsunternehmen gemacht hat.

Alle geplanten Neuerungen müssen folglich beiden Seiten zum Nutzen gereichen. Andernfalls werden die Minderheitsaktionäre aufmukken. Daß die Dortmunder Union in dieser Hinsicht sehr wachsam sein wird, ist selbstverständlich. Bei der Eibschloß Brauerei wird die Münchener Rückversicherungs Gesellschaft darüber wachen, daß ihre Rendite nicht zugunsten von Schultheiss geschmälert wird.

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