Der Feuerwehrmann der CDU

Wird Heinrich Köppler seiner Partei in Düsseldorf aus der Patsche helfen? / Von Carl-Christian Kaiser

Wahrscheinlich wird er, wie immer, erst kommen, wenn man ihn ruft. Für Heinrich Köppler naht der Tag, an dem er sich für Bonn oder für Düsseldorf, für die Fortsetzung seiner Karriere in der Bundespolitik oder für einen risikoreichen Anfang in der nordrheinwestfälischen Landespolitik entscheiden muß. Die Christlichen Demokraten an Rhein und Ruhr sehen der Landtags wähl im Juni nächsten Jahres mit Bangen entgegen. Ihr Spitzenkandidat Wilhelm Lenz ist farblos. Zudem sitzt die Regierung des SPD Ministerpräsidenten Kühn fest im Sattel. Da könnte die Versuchung groß werden, doch noch alles auf eine Karte zu setzen, Lenz zum Rücktritt zu bewegen und Köppler, den neuen Vorsitzenden des rheinischen Landesverbandes, zu holen. Zumindest aber wird der Wunsch laut werden, sich des Mannes mit Bonner Fortune schon jetzt zu versichern und ihn wenigstens für die übernächsten Wahlen aufzubauen.

Heinrich Köppler selbst wartet noch ab. Nach der Spitzenkandidatur gefragt, antwortet er: „Ich würde es nicht gern machen"; auf die anschließende Frage, ob sich solche Zurückhältung vor allem aus den schlechten Wahlaussichten seiner Partei erklärte, erwiderte er: „Deshalb würde ich mich nicht scheuen Aus manchen Andeutungen geht hervor, daß er gegen Heinz Kühn antreten würde — wenn Wilhelm Lenz aufgibt. Aber einstweilen ist nur sicher, daß er sich in die Mannschaft einreihen wird, die der Düsseldorfer Oppositionsführer in den nächsten Wochen präsentieren will und daß er keineswegs zugleich Bundestags- und Landtagsabgeordneter sein wird. Doch nicht einmal über ein Landtagsmandat ist die Entscheidung schon gefallen.

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Er sei zu allen Kandidaturen geprügelt worden, sagt Köppler und fügt einen jener kleinen, schnellen Lacher an, die bei ihm häufig sind und die seine Augen in dem großflächigen Gesicht zu schmalen Schlitzen verengen. Dann sieht er aus wie ein schlauer Chinese. Daß man ihn hat prügeln müssen, ist übertrieben. Wahr ist aber, daß er sieh nie vorgedrängt hat. Köppler mußte stets geschoben, man kann auch sagen: angeschoben werden — dann aber lief er und lief und lief. Die Beamten des Bundesinnenministeriums haben den ehemaligen Parlamentarischen Staatssekretär als „wahnsinnig fleißig" in Erinnerung. Keinen Termin ließ er aus, auch den Einladungen der unbedeutendsten. Vereine im hintersten Winkel der Provinz folgte er.

Vielleicht liegt dies auch daran, daß der 44jährige Heinrich Köppler, ohne daß er etwa subaltern wäre, schlecht „nein" sagen kann. Karl Gumbel, zu den Zeiten Ernst Bendas beamteter Staatssekretär im Innenministerium, ein Mann der harten Hand und von geringer Höflichkeit, regierte ihm häufig kräftig in seine Bezirke hinein. Köppler nahm es hin, und dies lag wohl daran, daß ihm Querelen und Streit zuwider sind. Sie bereiten ihm Unbehagen; er ist stets darauf bedacht, eine freundliche, ausgeglichene Atmosphäre um sich herum zu schaffen. Die Kontaktfreuidigkeit des im Rheingau Geborenen und Aufgewachsenen und seine unkonventionelle Art kommen hinzu. Dies alles trägt dazu bei, daß ihm das Vertrauen seiner Mitarbeiter rasch zufällt, daß die Zahl seiner Freunde Legion, ist und daß er eigentlich keine Feinde hat.

Politisch war und ist das für ihn und seine Dienstherren ;von großem Nutzen. Wann immer das Innenministerium in der CDUCSU Fraktion oder im Parlament auf Schwierigkeiten oder Widerstand stieß, wurde Heinrich Köppler ausgeschickt, um die Sache wieder einzurenken. Als Parlamentarischer Staatssekretär wurde er zum als einer, der kurzen Prozeß macht und ohne viel Federlesens aufräumt, sondern als jemand, der die Wogen des Unmuts mit sanfter Hand glättet. Freilich besitzt er auch ein Gespür für das, was in der Luft liegt, und dann kann zur Umgänglichkeit dieAnpassungsfähigkeit treten.

Wie sein Minister hatte Köppler zum Beispiel stets einem Verbotsantrag gegen die NPD das Wort geredet. Als aber zu Anfang dieses Jahres die Neigung zu einem solchen Schritt zu schwinden begann, sprach er im Fernsehen flugs von einer veränderten Situation und rief damit den Eindruck hervor, daß man auch im Innenministerium unschlüssig geworden sei. Tags darauf hatte das Ministerium Mühe, klar zumachen, daß man nach wie vor für einen Verbötsantrag sei und Köppler nur den Wechsel in der Stimmungslage beschrieben habe.

Wie groß Köpplers Anhang in der eigenen Fraktion ist, zeigte sich, als die Christlichen Demokraten im vergangen Februar ihren Kandidaten für die Nachfolge des gestrauchelten Bundestagspräsidenten Gerstenmaier bestimmten. Für ihn selber überraschend — er war erst zwanzig Minuten vor der Wahl darüber informiert worden — hatte der Abgeordnete Dr. Schmidt aus Wuppertal Köppler als zusätzlichen Kandidaten neben den Bewerbern von Hassel, Kiep und Rasner vorgeschlagen. Das Ergebnis fiel sensationell aus: Im ersten Wahlgang erhielt Köppler 65, Hassel 83 Stimmen, im zweiten Wahlgang gewann er 94 und sein Konkurrent 116 Stimmen.

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