Die Haschischforscher

Alle, die sich mit den Eltern von haschisch rauchenden Schulkindern Sorgen machen, müssen es bedauern, daß die Behörden, daß auch Völkerbund und UNO bis in allerletzter Zeit so viel für das Haschischverbot und so wenig für die Haschischerforschung getan haben. „Die Regierung macht uns Forschern die Arbeit so schwer", beklagte sich Professor Joel Hochmann vom Neuropsychiatrischen Institut der Universität Los Angeles; „weil sie fürchtet, bei unseren Forschungen könnte sich herausstellen, daß Haschisch keine schlimmen Nebenwirkungen hat, und weil es dann, wenn es keine solchen schlimmen Nebenwirkungen hätte, unvernünftig wäre, den Genuß, von Haschisch weiterhin mit Strafe zu bedrohen " An dieser Stelle sei eingefügt, daß ich immer „Haschisch" übersetze, auch dort, wo im EnglischAmerikanischen „Marihuana" steht. Es ist ja im Grunde das gleiche: Das aus dem Nahen Osten importierte Hanfharz (Haschisch) unterscheidet sich nicht wesentlich von den mexikanischen Spitzenqualitäten der oberen Hanfblättei (Marihuana) — eis ist meistens etwas stärker. Drei große Versuche sind bisher unternommer, worden, sich einen einigermaßen umfassender. Überblick über die tatsächlichen sowie die mutmaßlichen Wirkungen und Nebenwirkungen des Haschischkonsums zu verschaffen. Keine dieser großangelegten Untersuchungen wurde vom Völkerbund oder von der UNO oder von der. Gesundheitsbehörden oder von einer nun endlicli einmal die Wahrheit wissen wollenden Öffentlichkeit inspiriert oder unterstützt oder auch nu; ausreichend zur Kenntnis genommen.

Die Verantwortlichen dafür, daß es wenigstens diese drei grundlegenden Arbeiten gibt; seien hier auf einer Art Ehrentafel festgehalten. Es waren 1 die britische Kolonialregierung in Indien zu Ende des 19. Jahrhunderts; 2 der Bürgermeister von New York Fiorello La Guardia währenddes Zweiten Weltkrieges; 3 der durch prominente Bürger des Lande; dazu gewissermaßen gezwungene britische Innenminister.

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Die drei Arbeiten haben manches gemeinsam: Weder die Auftraggeber noch die den Auftrag erfüllenden Forscher waren Haschischfreunde.

Weder bei den Auftraggebern noch bei dea ihren Auftrag erfüllenden Forschern fand sidi eine ausreichend starke Mehrheit, die eine total; Exkulpierung des Haschischs durchgesetzt kätte Gerade deswegen aber, weil diese drei wichtigsten ; r- wenn man einen bestimmten Grad ari"AllgeWie!nVerb"hidlicfik"l irt zur- Voraussetzung dafür macht, gezählt zu werden — diese drei einzigen wissenschaftlichen Untersuchungen über Haschisch bisher so gut wie nichts praktisch bewirkt haben, erscheint jedes Mißtrauen in ihr; Ergebnisse unangebracht. Sie waren wahrhaft „zweckfreie Forschung".

Alle drei kommen übereinstimmend, als ob sis voneinander abgeschrieben hätten (was sie nicht getan haben), zu drei Ergebnissen, die daher für sich in Anspruch nehmen dürfen, so etwas wis der Consensus der Wissenschaft zum Thema. Haschisch zu sein.

Man kann es den Weltgesundheitsbeamten und ihren Satelliten gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen; man muß es den Eltern, die sich überflüssige Sorgen um ihre Kinder machen, immer wieder sagen: Es gibt keine ernster zu nehmende wissenschaftliche Meinung über Haschisch als die „Quersumme" aus diesen drei Standardwerken. Und diese „Quersumme" lautet: 1. Haschisch ist von allen „Drogen" die harmloseste und mit Opiaten nicht zu vergleichen. 2. Haschisch macht nicht süchtig, und es konnte nicht nachgewiesen werden, daß es dea Übergang zu „härteren" Drogen (also vor allem zu Opiaten) fördert.

3. Haschisch macht nicht „krank", solange dieses Krankmachen verstanden wird als eine über den Rahmen des Lebensüblichen hinausgehende Schädigung des eigenen Körpers oder der Gesellschaft und verglichen wird mit den Wirkungen etwa von Alkohol oder Nikotin oder den in allen Ländern der westlichen Welt lässig verschriebenen Beruhigungs- und Aufputschmitteln wie Barbituraten und Amphetaminen.

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