Ein Kaiser auf Vogeljagd

Daß es gelungen ist, mit päpstlichem Konsens die berühmte vatikanische Handschrift „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen" des kaiserlichen Autors Friedrich II von Hohenstaufen in einer Faksimileausgabe erscheinen zu lassen, krönt nicht nur die jahrzehntelangen Bemühungen des Bonner Historikers Carl Arnold Willemsen um diese Herausgabe, um die Übersetzung und Deutung des einzigartigen Werkes, sondern auch seine Forschungen über friderizianische Bauten, die Kastelle, Jagdschlösser und Anlagen wie Lucera und das Triumphtor von Capua. Das vorliegende Werk wurde schon kurz nach seinem Erscheinen von Zeitgenossen so ckarakterisiert: „Dank seiner ungewöhnlichen Fähigkeit geistigen Durchdringens, die sich vor allem a uf die Erkenntnis der Natur richtete, verfaßte der Kaiser ein Werk über die Lebensweise und Pflege der Vögel, mit dem er bewies, wie sehr er sich gründlicher Erforschung befleißigte " 1943 versuchte Willemsen, in einem kleinen Inselband eine Vorstellung von den Illustrationen der Handschrift zu geben.

Die vorliegende Faksimileausgabe aber zeigt nicht nur eine geradezu erstaunliche technische Meisterschaft der Reproduktion (die Berührung der Seiten mit der Hand läßt die von Jahrhunderten gesättigte Substanz des Pergaments, seine von Einwirkungen hervorgerufene Verfärbung, Veränderung bis in die Stofflichkeit hinein nachempfinden), sie gibt auch wie nie zuvor die Möglichkeit, teilzunehmen an den in Detail und Zusammenfassung so frischen und lebendigen Beobachtungen der Flora und Fauna und des sie wiedergebenden Stilwillens in der Darstellung der Menschen auf der Jagd, ihrer Bewegung in der Natur und ihrer Reaktion auf sie.

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In seinem Kommentar behandelt Willemsen die Entstehung des Werkes und schildert das Schicksal des dem Kaiser einst gehörenden, dann verschollenen Originals. Probleme der Art dr Illustrationen, ihrer zeitlichen Verschiedenheiten und daher stammenden technischen und formalen Unterschiede werden angerührt und Beziehungen zur zeitgenössischen Kunst hergestellt. Die Kongruenz zwischen Text und Darstellung wird mit Recht gepriesen und die Einmaligkeit dieses Gesamtkunstwerkes in ihrer Ursache vorsichtig angedeutet. Wahrscheinlich wird der noch in diesem Jahr im Insel Verlag erscheinende umfassende Kommentarband weitere Aufschlüsse geben. Es will scheinen, als ob sich ein sehr persönlicher Anteil Friedrichs des Zweiten in den Illustrationen dieses Jagdbuchs rinden ließe, wenn es sicher auch unmöglich ist, dies schlüssig zu beweisen. Warum aber sollten die einzigartige Architektur von Castel del Monte und die unvergleichlichen Texte und Bilder des Jagdbuches nicht wechselseitig Zeugen einer Universalität und Genialität sein, ohne deren Einwirkung sie nicht zu erklären oder einzuordnen sind? Herbert v. Buttlar

 
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