Für Barmherzigkeit gibt es keinen Tarif

Sie haben das alte Berufsbild der Krankenschwester geprägt, die frommen Schwestern in der Krankenpflege, die katholischen Ordensschwestern und die evangelischen Diakonissen. Und sie verkörpern es noch heute.

Sie dienen Gott und den Menschen. Sie dienen, wenn sie beides mit selbstloser Hingabe tun, auch ihrem eigenen Seelenheil. Es ist Gottes Lohn für sie, die nichts in Lohntüten finden.

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Im Diesseits vergilts ihnen Gott durch freie Station, die mehr ist als Wohnung, Verpflegung und Kleidung, die Geborgenheit ist in einer . Welt, die — mitten in dieser Welt — noch in Ordnung ist. Sie fragen nicht, ob sie tatsächlich intakt ist. Sie haben Gehorsam gelobt. Sie haben gelobt, ehelos zu leben und arm.

Im gleichen Beruf, mit gleicher Ausbildung und gleichem Examen arbeiten sie neben den weltlichen Schwestern, die sich eben von jenem Berufsbild der Schwestern befreien möchten, das sie bewahren wollen. Wie die weltlichen Schwestern haben sie ihre Dienstpläne, wie sie kommen sie mit den Pflichtstunden nicht aus. Aber der Begriff Oberstunde ist ihnen fremd. Sie rebellieren nicht, weil sie gehorsam sind. Sie brauchen nicht über Gehälter zu debattieren, weil sie keine haben. Und auch nicht über die Freizeit, esgibt keine. Denn wenn ihr Dienst am Kranken zu Ende ist, beginnt ihr Gottesdienst.

Kein Wunder, daß sie kaum noch Nachwuchs haben, die katholischen Schwestern sowenig wie die evangelischen. Wer fromme Krankenschwester werden will, wird eben zuallererst und vor allem Nonne oder Diakonisse. Und klösterliches Leben hat für junge Leute keine Anziehung mehr.

Eine katholische Oberin sagt: „Wir sehen diese Entwicklung mit Sorge. Wie lange unsere Krankenpflege aus christlicher Barmherzigkeit noch weitergehen kann? Es läßt sich fast ausrechnen, wann wir aussterben. In unserem Orden hatten wir letztes Jahr noch zwanzig Novizinnen in der Bundesrepublik und der DDR, zwanzigauf rund zweitausend Schwestern. Im selben Jahr aber sind achtzig gestorben" Dieser Orden ist noch gut dran. Andere haben weit weniger Nachwuchs, zwei oder vier jährlich, manchmal auch gar keine Novizin. Auch Diakonisse wollen Mädchen nur selten noch werden. Zugänge — wenn auch wenige — haben noch am ehesten die Mutterhäuser der freikirchlichen Gemeinden — Religionsgemeinschaften wie Baptisten und Methodisten. Im pietistisch geprägten Württemberg gibt es die meisten.

Novizinnen und junge Diakonissen kommen, wenn überhaupt, aus den Kleinstädten und vom Lande. Aus Großstädten kommt nichts.

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