J.M.-M.: Wir Europäer

Ein Wirtschafts Experte sagte: „Die Bundesrepublik braucht den Gemeinsamen Markt gar nicht " Und ich erwiderte: „Wir Deutsche fürchten Gott und eine Weltwirtschaftskrise; sonst nichts auf dieser Welt " Der Wirtschafts Experte fuhr fort: „Die Franzosen sind es, die den Marche Commun brauchen Und ich fragte: „Wissen das alle Franzosen? Ist etwa die berühmte pro europäische Volksbefragung ein Zeichen dafür, daß die Franzosen samt und sonders wirtschaftlich beschlagen sind?" Dies hielt der Wirtschafts Experte für unwahrscheinlich.

Tatsache ist, daß diese kürzliche Volksbefragung den weitaus größten Teil der erwachsenen Franzosen als europäisch gesinnt auswies.

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So müssen beispielsweise unter jenen, die für ein geeintesJEuropä plädieren, auch solche sein, die im übrigen kommunistisch wählen, obwohl die Kommunisten von europäischer Einigung nichts halten. Die europäische Gesinnung ist sogar so stark, daß die Mehrheit der befragten Bürger antwortete, sie würde Europa auch dann begrüßen, wenn sein erster Präsident kein Franzose sein könnte.

Es ging bei dieser Umfrage, de lich großes Aufsehen in Frankreich hervorrief, also nicht nur um den Gemeinsamen Markt, sondern vielmehr um Europa schlechthin, nicht nur : um wirtschaftliche Erwartur gen, sondern wesentlich um politische, mehr noch: um soziale, kulturelle, gesellschaftliche, man ist versucht zu sagen: um menschliche Hoffnungen.

Und so bietet sich nun folgende Idee an: Wie wäre es, wenn die Befragungs institute aller sechs Partnerländer, des „Marktes" zu gleicher Zeit eine ähnliche Untersuchung durchführten? Vor zehn Jahren hätte ich gewettet, daß die Deutschen die radikalsten. Europäer en Resultat natürseien. Inzwischen hätte man wetten können, daß sie von den Holländern und Belgiern übertrumpft würden.

Wie sähen die Resultate der Meinungsforschung heute, nach der Konferenz im Haag, aus? Wie, wenn ausgerechnet die Bürger des Landes, das sich unter de Gaulle am meisten gegen die europäische Integration gewehrt hat, die leidenschaftlichsten Europäer wären? Wir müßten alle umlernen: von Bonn, Brüssel und Den Haag und Luxemburg und Rom. Welch erfreuliche Lehre! Während eine solche Umfrage "rasch durchgeführt werden könnte, benötigt die Antwort auf eine entscheidende Frage wohl ein bißchen mehr Zeit: Wann werden die Regierungen, die französische zum al, das verwirklichen, was ihre Völker ersehnen? Es wird 1 hier ein „Wann?" gefragt, kein„Ob?", Sonst würde ja die Demokratie in Frage gestellt. Und da sei Gottvor!

 
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