Kniffliges

Einer ostasiatischen Legende zufolge sind in einem Kloster zu Hanoi Tag und Nacht Mönche am Werk, einen aus zweiundsiebzig konzentrischen Scheiben bestehenden Stufenkegel ab- und über eine Zwischenstation neu aufzubauen. Dabei haben sie nur eine einzige Regel zu beachten: Es darf niemals eine größere Scheibe auf eine kleinere gelegt werden. Die Mönche machen niemals einen Fehler; wenn ihr Werk vollendet ist, wird die Welt untergehen.

Dieses „Spiel" gibt es auch bei uns, wenn auch mit viel weniger Scheiben. Wer optimal spielt, versetzt den kleinen „Turm von Hanoi" (sieben Scheiben) in 127 Zügen. Für den größeren (neun Scheiben) braucht man schon 511 Züge.

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Solche Knobelei ist in unserem Lande ungemein beliebt, denn sie läßt sich als nutzbringend deklarieren: Es ist da ein „Problem" zu lösen, was verdienstvoll ist, auch wenn man hinterher, wie bei jedem Spiel, um keinen Deut gescheiter Ist als vorher. Die Knobeltürme gehören zu der Gattung der Einsiedlerspiele, deren bekanntestes einfach „Einsiedler" heißt: 32 Rundhölzer stekken in 33 Löchern, die sich in Dreierreihen kreuzen; das mittelste ist leer. Aufgabe: überspringen, das übersprungene Holz herausnehmen, so lange, bis es nicht mehr geht, dann soll ein einziges Stäbchen übrig sein. Bei ganz großen Könnern steht dies dann auch noch in der Mitte.

Das hübscheste dieser schönen Holzspiele ist nen zwei voli sind. Aufgabe: ausleeren und wieder einräumert. Eins, zu füllen, ist relativ einfach, das zweite schon recht knifflich. Aber: der Inhalt paßt ins dritte Kästchen! Ich habe noch nicht erlebt, daß jemand das geschafft hätte. Dabei gibt es jeweils mehrere Lösungen.

Neuerdings gibt es dazu noch „Verhext" und Weg machen werden, obwohl sie einfach scheußlich sind: In den langweiligen Kartons lagern langweilige geometrische Figuren, die zu langweiligen Gebilden gefügt werden müssen, die auf schlechtem Papier schlecht gedruckt und mit langweiliger Blockschrift betitelt sind. Aber auch ohne Hinweis auf die beiden klugen Autoren (zwei Professoren) kommt man von den Spielen so leicht nicht wieder los.

Es gibt jeweils zwölf verschiedene Spielfiguren, und die Vorlagen erlauben kolossale Steigerungen der Schwierigkeit bis zum ungelösten Problem. Die Spielstücfce in „Verhext" bestehen aus jeweils sechs gleichseitigen Dreiecken, in „Pentomino", das noch einen eigenen Plan für ein recht gutes Zweierspiel enthält, aus fünf Quadraten. Mir ist diese Sorte von Spielen zu steri!. Ich kann derlei bewundern, aber nicht lieben. Während ich vor abstrakten Problemen schnell resigniere, kapituliereich vor keinem noch so gemein gestanzten Puzzle — und sollte es mich monatelang beschäftigen. Leider gibt es solche Puzzles nicht bei uns, diese gesägten Monstren wie in Frankreich oder England.

Es gäbe sie schon : In Oberbayern nämlich stellt die wahrscheinlich einzige Firma auf der ganzen Welt handgesägte Puzzles sogar von Einzelbildern, egal welcher Art und Größe, aus schwedischem Sperrholz her. Je hundert Teilchen kosten so viel wie ein komplettes Papp Puzzle. Nur: wer bestellt, braucht Geduld, und wer nach einem halben Jahr reklamiert, dem wird eventuell mitgeteilt, daß die Heimarbeiter der Firma leider wieder mal im Manöver seien. Denn es sind Gebirgsjäger.

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