Lichtblick in Helsinki
Washington, im Dezember
In Helsinki werden die amerikanisch sowjetischen Vorverhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen voraussichtlich noch vor Weihnächten abgeschlossen werden können. Die Partner sind sich einig, die eigentlichen Hauptverhandlungen in der zweiten Januarhälfte — voraussichtlich in Wien oder wieder in der finnischen Häuptstadt — aufzunehmen. Sie haben keine feste Punkt für Punkt Tagesordnung vereinbart, aber sie haben den Rahmen abgesteckt: alle strategischen Offensiv- und Defensivwaffen, Raketen interkontinentaler und mittlerer Reichweite zu Lande und in U Booten, Bomber, ÄBMs und MIRVs werden zur Debatte stehen und ebenso die Überwachungsmodalitäten eines eventuellen Abkommens.
Eine Überwachung („Verifizierung") an Ort und Stelle ist keineswegs ausgeschlossen, da die Russen in früheren Abrüstungsverhandlungen zwar die Inspektion vorhandener und einzusetzender Waffen als Eingriff in die nationale Souveränität kategorisch abgelehnt, aber das Überwachen einer Beseitigung oder Verminderung von Waffen nicht verweigert haben. Da die SALT Verhandlungen zu „Begrenzungen" führen sollen, wird eine Überwachung von den Amerikanern in Fällen wie bei den Mehrfach Sprengköpf en angestrebt, die nur an Ort und Stelle möglich ist und nicht durch Satellitenerkundung gewährleistet werden kann. Das wird von den Sowjets nicht a priori von der Hand gewiesen. Schwierigkeiten bereitet vorerst die Unterscheidung von strategischen und taktischen Atomwaffen, da die Sowjets diese Differenzierung in ihrer Terminologie nicht kennen. Das aber wird sich überwinden lassen, meint man im Weißen Haus. Den sehr sachlichen Ton der Beratungen deuten die Amerikaner dahin, daß Moskau wirklich eine Vereinbarung anstrebt und keine Propaganda im Auge hat. Schw.
- Datum 12.12.1969 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.12.1969 Nr. 50
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