Nato-Signal nach Osten

Verhandlungen über Truppenreduzierungen angeboten

Die Außenund Verteidigungsminister der Nato Staaten haben zum Abschluß ihrer Wintertagung in Brüssel den Ländern des Warschauer Paktes ein neues Signal ihrer Bereitschaft zu Verhandlungen über Entspannung und Abrüstung gegeben. In einer längeren Erklärung wiederholten sie das Angebot, mit den Ländern Osteuropas über eine ausgewogene und gegenseitige Verminderung von Truppen zu verhandeln.

Ausdrücklich billigten die Minister in diesem Zusammenhang die Bemühungen der Bundesrepublik, mit der Sowjetunion und einigen anderen Ländern Osteuropas zu Abkommen über einen Gewaltverzicht zu kommen. Während eines Blitzbesuches in Bonn betonte der amerikanische Außenminister Rogers noch einmal das Verständnis seiner Regierung für die ostpolitische Initiative der Bundesregierung. Ähnlich äußerte sich Präsident Nixon in einem Brief an Bundeskanzler Brandt, den Rogers in Bonn überreichte und in dem es heißt: „Ihrer eindrucksvollen Regierungserklärung im Bundestag entnehme ich, daß Ihre Regierung sich sehr ernsthaft darum bemüht, zum Zusammenhalt und zur Stärke unserer westlichen Gemeinschaft beizutragen, und gleichzeitig versucht, die seit langem bestehenden Ursachen der Spannung in Europa abzubauen " Eine große Rolle bei den Diskussionen auf der Nato Ministerratstagung spielte auch die vom Ostblock wiederholt vorgeschlagene Einberufung einer Europäischen Sicherheitskonferenz. Wie erwartet äußerten sich die Minister jedoch skeptisch über die gegenwärtigen Chancen für eine solche Konferenz.

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Zu Beginn der Brüsseler Tagung prüften die Verteidigungsminister den derzeitigen Stand der Verteidigungsbereitschaft der Nato. Der Vorsitzende des Verteidigungsplanungsausschusses, der britische Admiral Henderson, betonte dabei, der Westen dürfe in seinen Verteidigungsanstrengungen nicht nachlassen, weil auch der Warschauer Pakt seine militärische Stärke zumindest gleichhalte, wenn nicht gar Verstärke. Im Augenblick stehen den rund l 125 000 Mann der Nato Streitkräfte in Europa etwa l 300 000 Soldaten des Warschauer Paktes, unter ihnen rund 700 000 Sowjets, gegenüber.

In seinem Referat auf der Ministerratstagung berichtete Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt ausführlich über die deutschen Bemühungen zur Verbesserung der Wehrgerechtigkeit. Im Zusammenhang mit dieser Frage schloß Schmidt vor seinen AmtskoJlegen aus den Nato Ländern eine Verkürzung der Wehrdienstzeit in der Bundesrepublik nicht aus. Vorzeitige Erwartungen dämpfte der Minister jedoch in einem Zeitungsinterview, das er am Wochenende gab: Ein Ergebnis der Überprüfung der Wehrdienstzeit sei nicht vor Sommer 1970 zu erwarten.

 
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