Kanadische Aktien Neumanns Hoffnungswerte enttäuschten
Das deutsche Generalkonsulat in VaneouverKanada bestätigte dem Bonner Arzt Hermann B, was er schon befürchtet hatte; „Beide Firmen befinden sich noch im Aufbaustsdium Das Kon" sulat: „Unter den gegebenen Umständen kann ich nur empfehlen, auf einen Rückkauf der als äußerst spekulativ zu bezeichnenden Aktien zu bestehen Einige Zeit zuvor Ijatte Dr, B für 30 000 Mark Aktien der kanadischen Firmen „Trilam Wood Products" und „Canada Kelp Company" gekauft.
Der Mann, der dem Arzt die 30 000 Mark für die Papiere zurückzahlen sollte, zeigte sich nicht gerade zahlungsfreudig: Herbert Neumann, der Präsident der Investmentgesellsehaft „World Wide Investment Research Company" (WIR), war gerade nicht flüssig „WIR", vertreten durch ihn, hatte Mitte November seinen Aktienkäufern bedeutet, daß „wir uns gezwungen sehen, die Liquidation für etwa 90 Tage auszusetzen", Der Mediziner begann sich nun um sein Geld ernsthaft zu sorgen. Um „WIR" und Neumann stand es schlecht. Der ehemalige lOS Vertreter, der wie Cornfeld in dr Schweiz (Zug) residiert wurde verdächtigt, einifen seiner Kunden ungeÄttä§Ak iw ört ypa 240 OQO Mark ausgestellt zu haben.
Zwar bestritt Neumann solche Manipulationen, über die „Capital" berichtet hatte, dach nicht etwa — wie in solchen Pillen Üblich — mit der Forderung nach ehrenrettender Berichtigung, sondern nur in Form eines Leserbriefes, Daß seine Gesellschaft wurmstichig geworden war, konnte die Öffentlichkeit daran ablesen, daß sich der Verwaltungsbeirat von „WIR" aufgelöst hatte, Diesem Beirat gehörten immerhin die renommierten CDU Bundestagsabgeordneten Dietrich Rollmann und Egon Lampersbaeh an, Sie hatten ihre Aufnahme in den Beirat be der „WIR" gründung nogh optimistisch gefeiert. Nun legen sie Wert auf die Feststellung, mit Neumanu nichts mehr gemein zu haben. Neumann war in das InvestmentGeschäft zunächst mit Fonds Verkäufen eingestiegen, Stets Auf eine Ausweitung seines geplanten Imperiums bedacht, begann der Träger des „Croix du Combattant de PEurope" Anfang 1969 sogenannte „private placements" zu verkaufen- Das sind Aktien, die an der Börse noch nicht gehandelt werden. Es handelte sich um Aktien jener Firmen, an denen auch Dr. B verdienen wollte.
Die „Trilam Weod" stellt laut Prospekt Spanplatten her, die „Kelp"Gesellschaft soll aus den Tiefen des Ozeans Riesen Kelp ernten, eine bestimmte Algen Art, die in der chemischen Industrie verarbeitet wird.
In einem Werbuagsschreiben wird die Spanplattenfirma bereits gerühmt: „Diese (Firma) hat eine Tageskapazität von 40 Tonnen, die zu 55 Tonnen erweitert werden kann Und um den potentiellen Aktienkäuftrn besonderes Vertrauen einzuflößen, verhieß der Prospekt: „Die Gesellschaft hat seit ihrem Bestehen keine Gewinne ausgeschüttet und die Direktoren haben auch keinerlei Gehälter bezogen " Doch die Gesellschaft konnte überhaupt keine Gewinne ausschütten, denn laut Auskunft des deutschen Generalkonsulats waren die „Produktionsanlagen noch im Aufbaustadium" begriffen.
Ebenso verhielt es sich mit der „Canada Kelp", die laut Prospekt „Die Ernte des Riesen Kelp mit Spezialschiffen" einbringt. Wer an dieser verlokkenden Vermögensanlage noch Zweifel hegte, wurde mit dem Satz beruhigt: „Die diesjährige Produktion, die am 1. Juni beginnt, ist bereits verkauft " Als Neumann öffentlich vorgehalten wurde, seine kanadischen Firmen seien „reine Hoffnungswerte" von Firmen, die nichts produzieren, widersprach der Präsident nicht. Seine Kunden indes glaubten, das Geschäft ihres Lebens gemacht Zu haben.
Denn die Kurse der Neumann Aktien stiegen ständig, Anfang November registrierte die „FAZ" die „Canada Wood Aktien" bereits mit 5 05 Dollar, im Mai standen sie erst bei 4 55 Dollar. Freilich "handelte s sich bei dem Kursstand riidit um eine offizielle Börsen Notiz, sondern um eine bezahlte Anzeige von „WIR". Die steigenden Börsenkurse für die Wood Aktien wurden offensichtlich am Schreibtisch in Deutschland bestimmt.
- Datum 12.12.1969 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.12.1969 Nr. 50
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