Nixon: Krieg wird beendet

Aber kein Termin — Vor kurzer Waffenruhe in Vietnam

Präsident Nixon hat dem amerikanischen Volk ein Ende des Vietnamkrieges in Aussicht gestellt. Ohne einen festen Termin für seine Vorhersage zu nennen, meinte Nixon auf einer Pressekonferenz, der Krieg werde zu einem Ende kommen, wenn die in diesem Jahr in Vietnam zu beobachtende Entwicklung weiter anhalte. Der Präsident versprach den Amerikanern ferner; um die - Weihnachtszeit eine weitere Rückführung amerikanischer Truppen bekanntzugeben. Verteidigungsminister Laird deutete in Paris an, daß die USA in Kürze voraussichtlich weitere 40 000 Mann abziehen werden.

Unterdessen gehen die Untersuchungen über die von US Soldaten in Vietnam begangenen Verbrechen an Zivilisten weiter. Nixon verurteilte das Massaker von My Lai und erklärte, daß es sich dabei wahrscheinlich um einen „isolierten Zwischenfall" gehandelt habe.

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Die Verteidiger des Oberleutnants Calley, der die amerikanische Einheit in My Lai führte, haben inzwischen beantragt, alle Beschuldigungen gegen ihren Mandanten fallen zu lassen. Ihr Argument: Nach der umfassenden und „unkontrollierten" Berichterstattung über die Ereignisse in dem südyietnamesischen Weiler könne Calley kein gerechtes Verfahren mehr erwarten.

„Ich habe kein Gemetzel gesehen und keines angeordnet und auch von keinem gehört", erklärte Hauptmann Ernest Medina, der im Frühjahr 1968 Kommandeur der Einheit war, der die Verbrechen von My Lai zur Last gelegt werden. Medina hat das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time" auf 110 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt „Time" hatte einen Zeugen zidert, der Medina bei der Erschießung eines kleinen Jungen beobachtet haben will.

Das südvietnamesisie Gesundheitsministerium gab in dieser Woche bekannt, daß in den letzten vier Jahren in Südvietnam 30 000 Zivilisten getötet und 250 000 verletzt worden seien. Dagegen bezifferte Senator Edward Kennedy die rung auf 300 000.

Wie in den vergangenen Jahren soll auch an diesem Weihnachten und zu Neujahr eine jeweils 24stüidige Waffenruhe auf dem vietnamesischen Kriegsschauplatz eintreten. Dieser Vorschlag wurde von Saigon unterbreitet. Nordvietnam schlug eine Waffenruhe von jeweils drei Tagen zu Weihnachten und Neujahr vor. Im Verlauf des Vietnamkiieges hat es bisher 13 Feuerpausen gegeben, die jedoch zum großen Teil nicht ohne Zwischenfälle verliefen. Keine Pause wollen die Gegner des Vietnamkrieges in den USA einlegen. Sie haben: für das Wochenende ihr drittes „Vietnam Moratorium" in zahlreichen Städten angekündigt.

 
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