Off limits
Frankreichs Staatspräsident Pompidou hat ein altes Schild hervorgekramt und an das Tor, der französischen Elektroindustrie gehängt: Off dern ist es bekannt -Es kennzeichnet Lokale, die amerikanische und britische Soldaten nicht betreten dürfen. Doch nicht um Soldaten geht es. Pompidou. Kaum vom Haager Gipfeltreffen der EWG Partner zurückgekehrt, sperrte er den amerikanischen Elektrokonzern Westinghouse aus, der sich bei Jeumont Schneider, einem französischen Elektrounternehmen, einkaufen wollte (DieZEITNr 48). Jeumont Schneider sollte der Kern einer europäischen, von Amsterdam aus dirigierten Dependance des amerikanischen Unternehmens werden. Nicht um Glühlampen oder Elektromotore geht es den Amerikanern dabei, sondern um Kraftwerke, genauer: um Atomkraftwerke, die bis 1980 rund 25 Prozent der in der EWG benötigten Energien liefern sollen. Das ist ein Markt von 30 Millionen Mark, auf dem sich nicht wiederholen soll, was auf dem Computer Markt geschah. Als Frankreichs Computer Industrie vor einem Kollaps stand, boten sich die Amerikaner als Nothelfer an — und bauten ihre Vorherrschaft auf diesem technologisch wichtigen Gebiet aus. Diesmal setzen die. Franzosen offenbar auf die europäische Karte. Doch um die Karte aufzureizen, muß die französische Nuklear Industrie sich erst einmal reorganisieren.
Die Bundesregierung und die deutsche Industrie haben in Paris ihre Visitenkarten abgegeben mit dem Bemerken, sie seien an einer Zusammenarbeit interessiert, an einer Partnerschaft von Gleichen — nicht an einer Beherrschung. Atom Europa hat nun eine Chance j
- Datum 12.12.1969 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.12.1969 Nr. 50
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