Schmidts Verschlußsache

Die vehementesten Verfechter eines neuen Konzepts für die Innere Führung beunruhigen weiter die Gemüter, seit in Bonn die Existenz einer Geheimstudie „zur Verbesserung der inneren Ordnung des Heeres" bekanntgeworden ist. Ihre wichtigsten Autoren: der zum Jahresende in Pension gehende stellvertretende Heeresinspekteur, Generalmajor Hellmut Grashey, und Brigadegeneral Heinz Karst, Inspizient für das Erziehungs- und Bildungswesen im Heer. Einige, freilich aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke dieses Geheimdokuments lassen auf eine weitere Verwässerung von Baudissins Reformen schließen. Ein Satz wie „Soldatsein ist eine Aufgabe sui generis und nicht Beruf wie jeder andere" widerspricht dem Leitbild vom „Bürger in Uniform". Die heute 1 offiziell lediglich als „Dikussionspapier" bezeichnete Studie ist vom Heeresinspekteur, Generalleutnant Albert Schnez, abgezeichnet worden, der seine Distanz zum bisherigen Konzept der Inneren Führung schon im Mai in einem Brief an die Kommandeure bekundet hatte.

Der Heeresinspekteur wird bald ein klärendes Wort sprechen müssen — zunächst wohl dem Verteidigungsminister gegenüber. Aber das Parlament sollte diesmal darauf bestehen, daß die Diskussion um die Innere Führung nicht Verschlußsache im Ministerium bleibt. Kj

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.12.1969 Nr. 50
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