Von Helmut Salzinger

In der einführenden Notiz zu seinem Gedichtband „Die Piloten“ hat Rolf Dieter Brinkmann dem amerikanischen Poeten Frank O’Hara seinen Dank abgestattet. Dessen Gedichte, so schreibt er, hätten ihm gezeigt, „daß schlechthin alles, was man sieht und womit man sich beschäftigt, wenn man es nur genau genug sieht und direkt genug wiedergibt, ein Gedicht werden kann, auch wenn es sich um ein Mittagessen handelt.“

Inzwischen hat Brinkmann ein weiteres getan, indem er eine Auswahl von O’Haras Gedichten ins Deutsche übersetzte. Bislang war dieser Autor, der 1966 bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, hierzulande nur in einigen Anthologien mit jüngerer amerikanischer Literatur vertreten und stand daher immer ein wenig im Schatten der bekannteren Ginsberg, Corso, Ferlinghetti.

Brinkmann hat es verstanden, O’Hara schon allein mittels der von ihm besorgten Ausstattung des Bandes

Frank O’Hara: „Lunch Poems und andere Gedichte“, aus dem Amerikanischen und mit einem Essay von Rolf Dieter Brinkmann; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 84 S., 12,– DM

aus seinem unverdienten Schattendasein herauszuholen. Der Hinweis auf die Ausstattung ist deswegen wichtig, weil sich Brinkmann hier offensichtlich von der Industrie hat anregen lassen, die ihre Produkte durch die Verpackung attraktiver zu machen sucht.

Gewöhnlich erwartet ja der deutsche Käufer eines Lyrikbandes von seiner Neuerwerbung nicht viel mehr, als daß sie zwischen zwei schlichten Deckeln eine Reihe von Gedichten enthält. Die bekommt er auch in diesem Falle, aber ihm wird noch einiges dazu geboten, nämlich: eine gut sechsseitige Einleitung von Ted Berrigan mit einem weiteren gut dreiseitigen Gedicht von Frank O’Hara, einen bio-bibliographischen Hinweis, einen vierzehnseitigen Essay „Die Lyrik Frank O’Haras“ von Rolf Dieter Brinkmann, illustriert mit vielen Bildern, Anmerkungen zu den Gedichten von Rolf Dieter Brinkmann, eine Abbildung „O’Hara Reading des Malers Larry Rivers, Comics von Joe Brainard nebst Anmerkungen zu beiden Künstlern von Rolf Dieter Brinkmann, ein beigelegtes Photo von Frank O’Hara zum An-die-Wand-Pinnen, ein rotes Zettelchen mit einem unvollständigen Verzeichnis der Errata, sowie ein Broschürchen mit den Originaltexten der Gedichte. Für zwölf Mark eine ganze Menge, könnte ein Käufer denken.