Casino-Fonds Schönheitsfehler

Der 41jährige, aus Österreich stammende Immobilienmakler Detlef Motschmann hat Ärger mit den Banken. Er ist auf der Suche nach einem Kreditinstitut, das bereit ist, die Funktionen zu übernehmen, die im Zusammenhang mit der Führung eines Investmentfonds anfallen. Für seinen Casino Fund international N. V. (Sitz: Niederländische Antillen) hat Motschmann zwar in der Person des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Gorbach eine Galionsfigur gefunden, aber noch keine Bank, die als Zahloder Depotstelle fungieren will. Dabei heißt es im Casino Fund Prospekt ausdrücklich, daß für diese Aufgaben namhafte Kreditinstitute „verpflichtet" worden seien.

In diesem Zusammenhang bringt der Fonds hin und wieder die „Sponsoring Bank" ins Spiel. Dabei handelt es sich um die aus Quedlinburg stammende Dippe Bank, deren Mantel vor einiger Zeit auf die Casino Fonds Verwaltüngsgesellschaft (zu 75 Prozent) übergegangen ist. Mit dem einstmals angesehenen Privatbankhaus hat Dippe heute nichts mehr gemein. Die Anschrift der Bank „Große Gallusstr. 3 bis 7" ist zweifellos beeindruckend. Dazu muß man aber wissen, daß die Bank gegenwärtig im Gebäudekomplex der Bank für Gemeinwirtschaft zur Miete wohnt.

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Der Investitions- und Handels Bank, bei der angeblich ein Depotkonto des Fonds unterhalten wird, ist offenbar die Geschäftsbeziehung zu Motschman nicht angenehm. Immerhin scheint sie mit dem Bankhaus Dippe Geschäfte zu machen. Sie wehrt sich indessen gegen den Eindruck, für Makler Motschman eine Art Schutzpatron zu spielen.

Ob man sich an einem Casino Fonds beteiligen sollte, ist eine Frage der Risikobeurteilung. Es ist zwar richtig, daß Spielkasinos erhebliche Gewinne abwerfen können und auch konjunkturunempfindlich sind. Es dürfte aber auch feststehen, daß es Casino Unternehmen gibt, die ständig rote Zahlen aufweisen und an denen viele Leute verdienen, nur nicht die Eigentümer. Solange man nicht weiß, welche Beteiligungen Motschmann in den Fonds einzubringen hat, kann dieses Problem schlecht diskutiert werden. Der Fonds will sich aber nicht nur an staatlich konzessionierten Casino Betriebsgesellschaften beteiligen, sondern auch an den sogenannten Nebenbetrieben. Damit sind Hotels, Golf- und Turnierplätze sowie Gaststätten gemeint Über die Rentabilität dieser Objekte weiß man relativ wenig. Ob sie sich für Fonds eignen, steht auf einem anderen Blatt. Es handelt sich vorwiegend um Anlagen, die nicht fungibel sind, die sich also ohne weiteres nicht wieder in Geld verwandeln lassen. So gesehen ist der Casino Fund ein reiner Immobilienfonds. Mit Wertpapieren hat er wenig zu tun. Im Prospekt wird behauptet, daß die Anteile des Casino Fund nach Plazierung der Erstauflage an der Amsterdamer Börse zugelassen werden sollen. Jedenfalls will man dort die Börsenzulassung beantragen. Ob daraus eine Börsenzulassung werden wird, scheint indessen nicht sicher zu sein. Die Amsterdamer Börse wird mehr wissen wollen, ah Motschmann im Augenblick zu sagen bereit ist. Vor allen Dingen gehört zur Börsenzulassung eine Bank, die sie beantragt. Und damit scheint es im Augenblick noch zu hapern.

 
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