Sie streikten für Uschi

Eine hübsche Klassenlehrerin und die Disziplin Düsseldorf

Ein Schuldirektor wollte für Zucht und Ordnung sorgen und deshalb gegenüber 29 Gymnasiasten ein Exempel statuieren. Doch der Pädagoge hatte die Rechnung ohne die übrigen Pennäler seiner Schule gemacht. Er brachte mit seinen Maßnahmen die gesamte Schülerschaft gegen sich auf. Und schließlich zwangen ihn die Schüler sogar in die Knie. Denn was sich am Düsseldorfer Rethel Gymnasium ereignete, damit werden sich demnächst höhere Instanzen beschäftigen.

Angefangen hatte der „Fall" mit einer Kollegen Kabale. Die Studienrätin Ursula Grimm, seit zweieinhalb Jahren Klassenlehrerin der Obersekunda 11 b der renommierten Düsseldorfer Knaben Bildungsanstalt, sah sich kürzlich einer Phalanx im Lehrerkollegium gegenüber. Die Lehrer klagten über die 11 b: mangelnde Disziplin, Verspätung beim Unterricht, Mißfallenskundgebungen gegenüber unsympathischen Lehrern, Verstecken des Klassenbuches, um Eintragungen zu verhindern. Und sie lasteten die mangelnde Disziplin der Obersekundaner der attraktiven jungen Kollegin an.

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Die Klagen eskalierten, und schließlich hatte es der Direktor satt „Ich habe etwas dagegen, mich täglich eine Stunde mit dieser Klasse beschäftigen zu müssen", verkündete Wilhelm Ladewig, und er suspendierte „Uschi", wie die Lehrerperson im Pennaljargon genannt wird, kurzerhand von ihrem Amt als Klassenleiterin der 11 b. Ein Mannsbild sollte her, um der Jungmänner Schar Herr zu werden.

Doch dazu kam es erst gar nicht. Denn die Obersekurudaner wollten ihre Uschi wiederhaben — und alle Rethel Schüler übten Solidarität und sogar den Ausstand: 1200 Gymnasiasten traten für Uschi ein, und die 11 b streikte. Der Schülerrat der Anstalt verfaßte eine Resolution, die die ungewöhnliche Aktion begründete: „Eventuelle Störungen der Ordnung sind auf Schwierigkeiten der Klasse mit einzelnen Fachlehrern, nicht aber auf ein Versagen der Klassenlehrerin zurückzu führen " Von Streik wollte der Oberstudiendirektor nichts wissen. Stand nicht der Ruf seiner Anstalt auf dem Spiel? So gab er seinen Gymnasiasten einfach schulfrei. Zugleich rief er eine „besondere Konferenz" der Lehrer und Schülervertreter ein, auf der seine Maßnahmen noch einmal überprüft werden sollten. Es wurde gründlich überprüft, viereinhalb Stunden lang. Das Ergebnis: Ursula Grimm behält ihre Obersekunda, und zwei Fachlehrer legen den Unterricht in dieser Klasse nieder. Doch damit war der „Fall" nicht abgeschlossen. Die Auseinandersetzung zwischen dem Direktor und der Studienrätin wird der Schulaufsichtsbehörde zur Entscheidung vorgelegt.

Und jetzt? Die Betroffenen schweigen, denn nun ist es ein schwebendes Verfahren.

Wirklich, ein verfahrenes Verfahren hbn

 
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