Köln

Nach neuesten Meldungen aus Köln soll das allgemeine Treiben der Karnevalisten von jetzt ab einer Zensur unterworfen werden. Das ist die vorsichtige Schlußfolgerung aus jüngst vergangener Kölner Historie.

Brave Jecken hatten Oben-ohne-Photos eines ihrer prominenten Mitglieder in eindeutigen Veröffentlichungen entdeckt und waren sprachlos. Um das Tanzmariechen der „Altstädter“ brandete die Empörung, und auch die übrigen Karnevalsgesellschaften verwiesen Christel Gogoll, die neue Marketenderin der „Altstädter“, in die Grenzen von Sitte und Moral.

„Ein Mariechen mit solchen Ambitionen gehört natürlich nicht auf die Bühne des Kölner Karnevals“, bestimmte die „Traditionsgemeinschaft ehemaliger Repräsentanten des Kölner Karnevals“. Christel Gogoll hatte in getreuer Ausübung ihres Berufes als Modell mit „unverhülltem“ Oberkörper vor der Kamera posiert. So präsentierte sie sich unter anderem auch im offenen Ledermantel mit nichts darunter. Ein unberechenbares Schicksal hatte die Regimentstochter aber in die Hände eines „unseriösen“ Photographen aus Hannover getrieben. So gerieten des Mariechens Exklusivphotos in zwielichtige Kalender. Als freundliche Beigabe enthielten diese sogenannte „Girlschecks“. Dem „Scheckinhaber“ wurde die „Gastfreundschaft“ des auf der Rückseite abgebildeten Mädchens versprochen. Und das, obwohl Frau Gogolls Manager den Photographen eindringlich informiert hatte: „Christel ist eine der Spitzenpersönlichkeiten des Kölner Karnevals und darf auf keinen Fall bloßgestellt werden!“

Der Alterspräsident der „Altstädter“, Heinz Figge (die Photos hat er nie gesehen), verkündete: „Unter einem Mariechen stellt man sich ein Mädchen aus gutem Hause vor, das so etwas nicht tut.“ Die Herren glaubten, ihre Entscheidung am Urteil der übrigen Karnevalshochburgen orientieren zu müssen. „Da der Kölner Karneval sosehr im Mittelpunkt steht und die Konkurrenzstädte sich freuen, wenn sie Köln etwas anhängen können“, zog Figge sofort die Konsequenzen. Der grün-rote Rock wechselte seine Besitzerin, und die jüngst in den Ruhestand entlassene Regimentstochter der „Altstädter“, Gerdemie Basseng, schlüpfte wieder in die Uniform, die sie bereits dreizehn Sessionen erfolgreich getragen hatte. „Ich will zu alledem nichts sagen. Wir alle wünschen uns nur, daß die Geschichte ganz schnell den Rhein runterfließt.“

Auch die Mariechen anderer Vereine legten eine sittenstrenge Amtsauffassung an den Tag. „Ob eine Frau sich so photographieren läßt, ist Geschmackssache. Ich würde es nicht tun. Wenn sie aber die Uniform einer Gesellschaft trägt, kann sie darüber nicht nach eigenem Gutdünken entscheiden. Eine Frau, die Modell für freizügige Bilder stehen will, kann nicht Tanzmariechen im Kölner Karneval sein.“ Und: „Man wird nur zu schnell als ‚eine von denen‘ abgestempelt, und beim Einmarsch in den Saal heißt es dann gleich, ‚die möcht’ ich auch mal nackig sehen‘.“ Ein Amt muß mit Würde verwaltet werden, eine Uniform verpflichtet.

Christel mußte also ihre gerade begonnene Karriere beenden. Das Ehepaar Gogoll unterwarf sich verständnisvoll der Entscheidung. Mariechens Gatte, Heinz Gogoll, bislang ein untadeliger Beamter, muß berufliche Schwierigkeiten befürchten. Frau Gogoll empörte sich: „Ich kann es einfach nicht fassen, was die mit mir gemacht haben!“ Gegen eine diskrete Wiedergabe ihrer Photos hätte sie gar nichts einzuwenden. Dieser Kalender jedoch verstieß eindeutig gegen einen Passus im Vertrag: „Ausgeschlossen ist die Veräußerung von Photos an Zeitschriften, die wie Magazine in abstoßender Form aufgemacht sind.“ Zwei Rechtsanwälte sind nun mit der Klage gegen den Photographen beauftragt. Renate Holy