Vor der USA-Reise des deutschen Bundeskanzlers hatte der demokratische US-Senator Stephen Young seinem Präsidenten noch empfohlen, dem Deutschen vom Rhein „auf die Zehen zu treten“. Doch nach dem Treffen Brandt–Nixon war die Übereinstimmung vollkommen.

Doch die offizielle Schönwetterlage dürfte nicht lange anhalten. Zwar hatte der US-Präsident den westdeutschen Kanzler nicht gerade auf die Zehen getreten, aber doch deutlich zu erkennen gegeben, daß ein Problem bald gelöst werden muß – das der Stationierungskosten für die in Deutschland stehende siebte US-Armee (210 000 Mann).

Schon im vergangenen Jahr hatten sich die USA die Stationierung ihrer GIs in der Bundesrepublik nach langwierigen Verhandlungen teuer bezahlen lassen. Die für die Staaten entstehenden Devisenkosten ihrer Truppen in der Bundesrepublik mußte Bonn mit einer Devisenspende in Höhe von 6,08 Milliarden Mark ausgleichen. Westdeutschland erhielt dafür Waffen und ziviles Gerät im Wert von 3,7 Milliarden Mark.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau verpflichtete sich, 600 Millionen. Mark innerhalb von zwei Jahren in marktgerecht verzinsten amerikanischen Staatspapieren anzulegen und die Schatzanweisungen acht Jahre lang zu behalten. Eine Milliarde Mark erhielten die USA als Darlehen (Laufzeit zehn Jahre) zu dem günstigen Zinssatz von 3,5 Prozent. Der Kredit mußte am deutschen Kapitalmarkt refinanziert werden – zu mindestens sieben Prozent. Der Zinsverlust wird aus dem Bundesetat gedeckt.

Das im vergangenen Jahr geschlossene Abkommen läuft 1971 aus. Obwohl die neuen Verhandlungen erst im kommenden Herbst beginnen sollen, mehren sich seit Anfang des Jahres in Washington Stimmen, die von den Deutschen einen direkten Budgetausgleich fordern – mithin Bargeld. In diesem Zusammenhang wird sich Bonn auch mit dem Gedanken befreunden müssen, die Kosten für das deutsche Hilfspersonal bei den amerikanischen Truppen zu übernehmen.

Nach amerikanischen Vorstellungen müßten die Deutschen sich mit einer bis zwei Milliarden Mark an den Gesamtkosten der Truppenstationierung beteiligen. Senator Young wollte nicht einmal abwarten, bis das gegenwärtige Devisenabkommen ausgelaufen ist. Seine Vorstellungen: „Wir sollten noch in diesem Jahr alle unsere Truppen aus Westdeutschland abziehen und uns mit dem Geld, das wir dabei einsparen, um unsere eigenen Probleme kümmern.“

Der Senator empfahl Nixon, sich Brandts Hinweise auf die finanzielle Notlage der Deutschen ungerührt anzuhören und dann den Befehl zu geben, „sofort 100 000 amerikanische Soldaten in die USA zurückzuholen“.