Armlanges Finanzkostüm
Ein Computer errechnet optimale Belastung für Hauskäufer
Von Ingeborg Zaunitzer-Haase
Felix Manns lebt in Nordrhein-Westfalen und möchte ein Reihenhaus kaufen. Er hat genügend Eigenkapital, aber er braucht immer noch ziemlich viele Fremdmittel: 108 000 Mark. Er betritt eine der rund 270 Sparkassen des Landes und trägt dem zuständigen Angestellten sein Problem vor.
Der Mann fragt ihn aus. Felix ist 39 Jahre alt. Er hat weder einen Bausparvertrag noch eine Lebensversicherung abgeschlossen. Doch er wäre bereit und in der Lage, eine hohe monatliche Belastung auf sich zu laden, denn er gehört zum mittleren Management eines großen Industrieunternehmens und kann damit rechnen, daß sein Einkommen – und damit seine Belastbarkeit – schnell steigen werden.
Alles das erzählt er in der Sparkasse. Der Hypothekenfachmann macht sich dabei eifrig Notizen. Er läßt sich vom Kreditsuchenden erklären, er sei mit einer Monatsbelastung bis zu 970 Mark einverstanden, vorausgesetzt, in dieser Belastung sei eine Lebensversicherung enthalten, deren Summe nicht nur zum Fälligkeitstermin den Darlehnsrest tilgt, sondern die dann außerdem eine handfeste Dividenden-Barauszahlung verspricht. Ohne eine solche Versicherung ist Manns lediglich zu einer Monatsrate – einschließlich Tilgung und sämtlicher Finanzierungskosten – von 825 Mark bereit.
Felix Manns geht nach Hause und gibt seinem Sparkassenberater einige Tage Zeit. Der nutzt sie, indem er ein großangelegtes, in der Bundesrepublik neuartiges Kooperationssystem in Gang setzt, das in der maßgerechten Schneiderung eines Finanzkostüms mündet. Der „Schneider“ ist ein Computer. Die „Kooperateure“ sind die Sparkassen des Landes Nordrhein-Westfalen, die Landesbausparkasse Düsseldorf und Münster (Werbeslogan: „Wir sind die Bausparkasse der Sparkassen“) und die Provinzial – Lebensversicherungsgesellschaft, gleichfalls Münster und Düsseldorf.
Den Computer stellt die Landesbausparkasse. Sie entstand im vorigen Jahr durch Fusion der Bausparkasse der Rheinprovinz und der Westfälischen Landesbausparkasse. Sie ist – mit einem Bilanzvolumen von 4 Milliarden Mark – eine „Abteilung“ der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, deren Kapital (400 Millionen Mark) beim Land Nordrhein-Westfalen, bei den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe sowie beim Rheinischen und beim Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverband liegt. Mit der Provinzial-Lebensversicherung gibt es enge Eigentumsverflechtungen.
Je ein für die Berechnung des „L + S-Maßkredits“ eingesetzter Computer steht bei der Landesbausparkasse in Münster und in Düsseldorf. Sobald sich genügend Anfragen angesammelt haben, legen die beiden Superrechner eine Maßkreditschicht (meist während der Nacht) ein. Das Resultat: ein armlanges, halb so breites Stück grünweißen Papiers, eng. beschrieben mit Wörtern und Zahlen. Daraus lassen sich – unter vielem anderen – ersehen: die Darlehnssumme (beim Beispiel Felix Manns: 108 000 Mark), die Monatsleistung (im Beispiel: 965 Mark), Zahlungsbeginn (1. 1. 71), Zahlungsdauer (24 Jahre), der Finanzierungsablauf Jahr für Jahr einschließlich genauer Kreditkosten, des jeweiligen Rückkaufwertes der Versicherung (wenn sie einkalkuliert wurde).



