65 Schleusen bis Stockholm

Drei", schätzt der Mann am Ruder, der zum erstenmal hier fährt. Fünf. Mindestens fünf", mutmaßt ein Passagier. Mit gedrosselten Motoren schiebt sich die Jacht darauf zu. Es sind sechs.

Sechs Schleusen. Sechs Schleusen machen Arbeit: fünfmal Boot festmachen, fünfmal Boot losmachen, mit hölzernen Drehhebeln fünf Schleusentore schließen, zwanzig Schleusenschieber hochdrehen, fünfmal acht Minuten lang Wasser ins Schleusenbecken einlaufen lassen, zwanzig Schleusenschieber zudrehen, und fünf Schleusentore öffnen.

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Der Göta Kanal hat 65 Schleusen.

„Wenn dies auch zur Folge hat", tröstet Durchreisende eine Druckschrift der Kanalgesellschaft, „daß die Reise langsam geht und die Schleusenarbeit dem Fremden anfangs etwas beschwerlich erseheint (die Schiffsbesatzung muß an der Arbeit teilnehmen) so verleiht das doch der Kanalfahrt einen eigenen Reiz "

So werkelten an der Schleusentreppe Borenshult Mr. Stocks und Crew aus Hongkong mit einem neuerworbenen 20 Meter Motorsegler „Rewa": Die duftende große weite Welt legte die feinen Hände murrend an schlichtes Gußeisen —auch Millionäre müssen ihre Schleusentore selber öffnen. Und von Deck sah der aus Hongkong mitgenommene chinesische Kuli, lässig ein Tauende in der Hand, seinen Herrschaften beim Arbeiten zu.

Zu Schiff Südschwedens Festland zu durchqueren, ist mehr Wander- als Seefahrt. Man trödelt durch Weide, Wald und Wiese, an Dörfchen vorbei, durch Städtchen: Ein Stück Kanal, ein Stück See, ein Stück Kanal. Irgendwo steht immer ein Schlößchen, eine Klosterkirche oder ein Herrensitz weiß leuchtend am Ufer, mindestens aber ein rotes Bauernhaus mit weiß gestrichenen Fensterrahmen. Sonst steht der Wald, schweigend, und Pferde oder Kühe weiden auf den Wiesen rechts oder links. Oder Straßen kreuzen den Kanal: Niedrige eiserne Brücken werden quietschend zur Seite gerollt, und Glokkengebimmel stoppt Autofahrer und Fußgänger — Schiffe haben Vorfahrt, auch von links. Es ist still an den Ufern: Hohe Bäume stehen da, durch die die Sonnenstrahlen schräg aufs Wasser fallen, und Schleusenwärterhäuschen mit schmalen Schildern über der Tür — Sjötorp manchmal sitzen die Familien vor den Häuschen im Garten, trinken Kaffee und sehen zu, w:e die Schiffe in den Schleusen langsam höher steigen.

1809 entschloß sich Schwedens Reichstag, einen Wasserweg von der Ost- zur Nordsee zu bahnei. Baltzar Bogislaus Graf Platen legte König Karl XIII meterlange Karten vor: 89 1 Festlarwikilometer durchzugraben, um über fünf Sem (Roxen, Boren, Vättern, Botten, Viken) zum Vänersee zu stoßen. Der Rest der Strecke war bereits erschlossen: Vom Vänersee führten Trollhättan Kanal und Göta Älv nach Göteborg. „Genehmigt. 1. 11. 1810", notierte König Karl auf Platens Plänen. Des Königs Truppen leiteten den Bau: 57 800 Mann wühlten sich zwölf Stunden täglich durchs Gestein. 1832 war der Kanal erstellt, der Erbauer — Graf Platen starb 1829 — am Ufer begraben. Von Platens Gruft führt eine Treppe ins Wasser — zu „den Wogen, die er selbst erdichtet, an dem Strande, den er selbst schuf (Grabinschrift).

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