Das ernste Problem des Humors in Deutschland ist schon fast gelöst: Der lachende Sack ist da! Für zwölf Mark fünfundsiebzig kann man beliebig viel Lachen produzieren, ohne sich anstrengen zu müssen.

Bemerkenswert ist, daß die Kaufhäuser diesen Artikel zwar im April, aber nicht zum ersten April, nicht zu Silvester und nicht zum Karneval gebracht haben. Das deutet auf gewisse Veränderungen in der Massenspychologie – es hat sich offenbar ein Bedarf an Lachen auch außerhalb dieser offiziell zugelassenen Lachzeiten entwickelt.

Der lachende Sack ist eine Erfindung, die unserer Zeit würdig ist. Maschinen und mechanische Geräte erledigen für uns schon fast alle Arbeiten, die wir nicht selber ausführen wollen; warum soll eine Maschine nicht auch für uns lachen?

Das Lachen aus dem Sack klingt nicht allzu intelligent, eher ein bißchen dümmlich; die Verkaufspsychologen wissen schon, was verlangt wird. Und dann: es ist ja schließlich erst der bescheidene Anfang, der erste Wurf. Danach werden die Luxusausfertigungen kommen mit dem intelligenten, überlegenen, nachsichtigen, ironischen, höhnischen, schadenfrohen, nachdenklichen, teuflischen, verständnisvollen, leidenschaftlichen, homerischen, selbstbewußten, verlogenen, entschuldigenden, herausfordernden, bescheidenen Lachen, kurzum: mit allen Lacharten, vom Lachen, daß einem die Tränen kommen, bis zu dem Lachen durch Tränen hindurch, in Herren- und Damen Variationen; Variationen für Kinder werden sich wahrscheinlich nicht lohnen, Kinder lachen noch von selbst.

Die Zeit ist nicht weit, bis alle, die etwas auf sich halten, ein Lachsäckekomplet mit einer reichen Tastatur für alle Lebensfälle mit sich in der Tasche herumtragen werden. Das wird einfach und bequem sein. Besonders anspruchsvolle Leute können sich Lachsäcke mit ihrer eigenen Stimme anfertigen lassen. Ein modernes Studio mit geschulten Regisseuren kann guten Gewinn bringen.

Wie leicht wird das Leben werden! Sie wollen Witze erzählen? Nehmen Sie einen lachenden Sack (aber nicht mit der eigenen Stimme) in die Tasche und drücken sie bei der Pointe: Erstens wird jeder genau wissen, wann er lachen soll, zweitens ist das Lachen ansteckend. Wollen Sie Witzen zuhören? Nehmen Sie einen Sack mit der eigenen Stimme, und Ihr Ruf als humorvoller Mensch ist gesichert.

Im Theater kann man vor jeder Lustspielpremiere ein paar besonders stark lachende Säcke an das Saalpersonal oder an die Familienangehörigen des Autors verteilen – ein Bombenerfolg; sogar die Rezensenten werden lachen. Das Fernsehen kann allen Zuschauern Lachsäcke schicken und dann bei jedem Unterhaltungsprogramm in den Programmzeitschriften genaue Anweisungen veröffentlichen, wann man den Knopf drücken muß.