Von Wolfram Siebeck

Es wird neuerdings viel über Umweltverschmutzung geredet, und es ist ja auch eine tolle Sache. Aber die Berichte darüber könnten den Eindruck erwecken, als wären wir Landbewohner darin noch etwas rückständig. Deshalb möchte ich darauf hinweisen, daß wir uns schon lange ganz intensiv für die Umweltverschmutzung einsetzen und wirklich schöne Erfolge verzeichnen können. Ja, ich kann sagen, daß ich die Umwelt schon verschmutzt habe, als ich noch in den Windeln lag. Damit will ich keineswegs die Verdienste der Städter madig machen, aber unsere Maden sind auch nicht von Pappe.

Erst neulich führten mich ein paar Ratten zu einem neuen, zwar noch kleinen, aber vielversprechenden Müllhaufen am Waldrand. Aufgequollene Pappkartons, leere Flaschen und erstaunliche Mengen von angebranntem Reispudding waren wirkungsvoll um einen zerrissenen Autositz verstreut. An einer abgetragenen Einlegesohle (Metall und Leder, Schuhgröße 41) fand ich ein Schild: „Gestiftet vom Verschmutzungsverein e. V.“

„Alle Achtung“, beglückwünsche ich dazu Herrn Garbitsch, den hiesigen Bezirksvorsitzenden. Er hat eine berühmte Sammlung von rostigen Konservendosen, die man im seichten Wasser des Strandbades besichtigen kann. „In einem Monat eröffnen wir einen Autofriedhof hinter der Kirche“, sagt er stolz und verschmutzt kunstvoll ein Stück Dorfstraße mit einer Bananenschale. „Wollen Sie nicht auch was dazu beisteuern? Sie haben doch sicher einen abgefahrenen Reifen in der Garage oder einen durchgerosteten Kotflügel.“

Ich muß ihn enttäuschen; meine Autoabfälle werfe ich immer aus dem Vorortzug, mit dem ich ab und zu in die Stadt fahre. Ich verspreche ihm aber ein paar kaputte Plastikschüsseln für die Wanderwege. Er bedankt sich herzlich, auch im Namen der Forstverwaltung, und empfiehlt mir einen Spaziergang zu den drei Waschbecken im Forellenbach.

Unterwegs entdecke ich einen neuen Müllhaufen. Er hat ihn direkt gegen meine rückwärtige Garteneinfahrt gesetzt. Sehr schön, mit viel Bauschutt. Aber auch wieder Reispudding. Wahrscheinlich wegen der Maden; er denkt eben an alles.

Ich revanchiere mich für die Aufmerksamkeit, indem ich ihm einen Zentner alte Zeitungen auf die Gartenmauer lege, kurz bevor ein frischer Nordwestwind aufkommt.

Seitdem hat es oft geregnet, und wenn ich mit dem Traktor durch den Ort fahre, meine Schmutzhaufen links und rechts vom Karren fallen lasse und die aufgeweichten Zeitungen in den Hecken und Sträuchern des Dorfes sehe, dann bin ich sicher, daß sich unsere ländliche Umwelt bei einem Vergleich mit der Stadt nicht zu schämen braucht.