In Bonn wird damit gerechnet, daß es nach der Begegnung zwischen Bundeskanzler Brandt und dem DDR-Ministerpräsidenten Stoph am 21. Mai in Kassel zu einem dritten Gespräch der beiden Regierungschefs kommen wird. Wie es heißt, will Brandt seinem Gesprächspartner einen entsprechenden Vorschlag machen. Voraussetzung dafür sei allerdings, daß es in Kassel zu einer Einigung über das Einsetzen von gemeinsamen Kommissionen der Bundesrepublik und der DDR komme, die über Regelungen für die verschiedensten innerdeutschen Probleme beraten sollen. Als möglicher Termin für eine dritte Begegnung wurde der November genannt.

Bei der Bundesregierung geht man inzwischen davon aus, daß es für das Kasseler „Spitzengespräch“ keine ernsthaften Hindernisse mehr gibt. Bestärkt hat in dieser Ansicht die positive Reaktion Ostberlins auf die Einladung des Bundeskanzleramtes zu Vorgesprächen in der Bundeshauptstadt. Die Verhandlungsdelegationen sollen dort am Mittwoch zusammentreffen. Die Bonner Gruppe wird wieder von Ministerialdirektor Sahm vom Bundeskanzleramt geleitet. Die Ostberliner Delegation wird wie bisher vom Leiter des Büros des DDR-Ministerrates, Schüßler, angeführt.