Die Anregung kam vom Bundespräsidenten. Ihm schwebte vor, eine große nationale Stiftung ins Leben zu rufen, die den behinderten Kindern, den Blinden und Taubstummen, den Spastikern, und Geistesschwachen helfen soll, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Das Justizministerium griff diesen Plan auf und legte einen Entwurf vor, der noch in diesem Sommer Gesetz werden soll. Diese Stiftung wird mit 100 Millionen Mark ausgestattet – wovon 50 Millionen den Contergan-Kindern zufließen.

Doch diesen hilft nicht nur der Staat, sondern auch die Firma Grünenthal. Sie, die das unselige Präparat Contergan auf den Markt brachte, hat sich jetzt endlich – zehn Jahre zu spät – entschlossen, 100 Millionen Mark nebst Zinsen an die rund 2000 noch lebenden Contergan-Kinder auszuschütten.

Dies ist eine gerechte und notwendige Hilfe, aber sollte man nicht auch bedenken, daß sie nur einem Bruchteil der Behinderten zukommt, die Anspruch auf Hilfe haben. Jene 300 000 anderen, für deren Schäden niemand verantwortlich gemacht werden kann, erhalten zwar Erziehungsbeihilfen und Sozialunterstützung – aber nicht wirklich eine Chance. Technik und Wissenschaft sind längst imstande, auch schwer behinderten Kindern, seien es Spastikern oder Blinden, beizustehen. Rehabilitationszentren und eine leistungsbezogene Erziehung könnten es diesen Kindern ermöglichen, einen ihren Kräften angemessenen Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Sie brauchen nicht darauf angewiesen zu sein, Korbflechtereien feilzubieten.

Eine nationale Stiftung, die alle Hilfen koordinieren und steuern könnte, ist ein guter Anfang. Sie kostet Geld, viel Geld. Der Staat allein wird es kaum aufbringen. Für die Industrie und für die Kirche wäre es eine noble Aufgabe, sich an diesem Solidaritätswerk zu beteiligen: v. K.