Kambodscha und davor
Die Historie des amerikanischen Engagements in Indochina / Von Karl-Heinz Janßen
Nixons Befehl zum Einmarsch in Kambodscha hält sich durchaus in der Tradition seiner vier Vorgänger im Amte. Die amerikanische Indochinapolitik krankte von vornherein an zwei Grundübeln:
Nationalkommunismus falsch eingestuft, nämlich als Erscheinungsform eines zentral gelenkten kommunistischen Imperialismus, wobei Stalin und Mao als Drahtzieher beliebig austauschbar waren. denten auf die Unfehlbarkeit der Siegesrezepte, die ihnen der Sachverstand der Militärs und des Geheimdienstes an die Hand gab.
Nur zu oft haben die Präsidenten Truman, Eisenhower Kennedy, Johnson und jetzt Nixon den Militärs nachgegeben. Sie ließen sich allesamt in das Abenteuer eines limitierten Krieges hineinziehen, den Amerika nicht gewinnen konnte, weil es seine Machtmittel nicht vollständig einsetzen durfte, wollte es keinen dritten Weltkrieg riskieren.
Was in tödlicher Feindschaft endete, hatte 1945 in herzlicher Freundschaft begonnen. Im März jenes Kriegsjahres entdeckte der amerikanische Geheimdienst OSS, ein Vorläufer der CIA, in Südostasien einen neuen Verbündeten im Kampf gegen die Japaner: den vietnamesischen Kommunisten und Partisanenchef Ho Tschi Minh. Die USA unterstützten seine VietminhBewegung mit Waffen, wohl wissend, daß seine Bauernrevolte nicht nur die Japaner vertreiben, sondern auch die französischen Kolonialherren und die einheimische Feudalklasse beseitigen sollte. Aus Dankbarkeit und Verehrung für Amerika übernahm Ho Tschi Minh in die Gründungsurkunde der neuen Republik Vietnam Passagen aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776.
Aber die OSS Agenten denunzierten den vietnamesischen Nationalhelden bei ihren Oberen in Washington schließlich doch als ein „Produkt Moskaus". Und da sich die Regierung Truman grundsätzlich entschlossen hatte, überall in der Welt den Vormarsch der Linken zu stoppen, stellten die Amerikaner auf der Potsdamer Konferenz ihre Vorbehalte gegen eine Rückkehr der französischen Kolonialmacht zurück.
Während des Krieges zwischen den Vietminh und den Franzosen verhielten sich die USA zunächst desiriteressiert. Dies änderte sich jedoch als 1949 die Truppen Mao Tse tungs ganz China überrannten. Sogleich nach Beginn des Krieges in Korea im Juni 1950 ordnete Präsident Truman an, die amerikanische Militär, Wirtschafts- und Finanzhilfe für die Franzosen in Indochina zu verstärken. 1954 trug Amerika bereits mehr als 78 Prozent der gesamten Kriegskosten.
Im Frühjahr 1954, während der Belagerung von Dien Bien Phu, waren State Department (John Foster Dulles) und Pentagon drauf und dran, Amerika, auf dem asiatischen Kontinent zum zweitenmal in einen Landkrieg zu verwickeln. Schon kreuzten die Flugzeugträger der VII. Flotte im Golf von Tongking. Präsident Eisenhower wollte jedoch nicht ohne Einverständnis seines britischen Verbündeten handeln. Er schrieb an Premierminister Churchill: „Wenn Indochina den Kommunisten in die Hände fällt, könnten die Folgen für unsere und Ihre globalstrategische Position auf weite Sicht hin katastrophal sein "
- Datum 08.05.1970 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 8.5.1970 Nr. 19
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