In den nächsten Wochen wird der gerade in sein Amt eingeführte italienische Postminister Fran:o Maria Malfatti seinen Landsleuten eine Eröffnung machen, die unter normalen Umständen schon seit einigen Jahren fällig gewesen wäre: Italien hat sich für das deutsche PAL-Farbfernsehen entschieden.

Die italienische Fernsehindustrie atmet auf. Die jahrelange Ungewißheit hatte das Geschäft bereits empfindlich gestört.

Italiens Staatsfernsehen RAI und die Postminister des Landes hatten zwar seit 1966 immer wieder bekräftigt, daß die Telefunkenerfindung den italienischen Bedürfnissen am besten entspricht. Aber offizielle Entschlüsse wurden nie gefaßt.

Italiens staatliche Wirtschaftsplanungsbehörden hatten es niemals eilig: Die Beamten halten auch noch heute Farbfernsehen für einen Luxus, den man zugunsten dringenderer Bedürfnisse noch für einige Zeit zurückstellen müsse. Das allein war nicht der Grund für das Zaudern der Regierung.

Vielmehr hatte inzwischen die französische Regierung Botschafter, die für das französische SECAM-System mit Nachdruck warben, nach Rom geschickt: „Mit Hilfe auch persönlichen Druckes auf Minister und Abgeordnete war es der französischen Regierung gelungen, alles wieder in den Stand der Diskussion zurückzu versetzen“, berichtet Italiens Wochenmagazin „Panorama“.

Der Staatsrundfunk nahm so neben PAL-Experimenten auch SECAM-Versuche auf. Ein Erfolg in Italien hätte dem französischen Farbfernsehverfahren wahrscheinlich auch den Erfolg im ganzen Mittelmeerraum gesichert: Die Fernsehbrücke von Frankreich über Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten und den Libanon zu den Ostblockstaaten wäre mit Italien fast lupenrein geworden.

Die aufgezählten Länder mit insgesamt zehn Millionen Konsumenten haben sich für das SECAM-System entschieden. Das PAL-System kann indessen in aller Welt auf 59 Millionen Kunden zählen. Dazu gehören auch die Mittelmeer-Anrainer Libyen und neuerdings Spanien.

Solange Italiens Regierung seinen Landeskindern das Farbfernsehen nicht erlaubt, bleibt der Industrie nur die Ausfuhr (zum Beispiel Lizenzproduktion für deutsche Firmen). Nur die Lombardei hat’s – wieder einmal – besser: Dort sieht man seit Jahren das Schweizer Programm in PAL-Farben. fg