Die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) verschickte an die Landwirte Fragebogen, um, so wurde zumindest den Landwirten die Sache erklärt, auszukundschaften, wie die Bauern ihre eigenen Probleme sehen und zu lösen wünschen. Nach verschiedenen vorgegebenen Lösungsmöglichkeiten sollen die Bauern entscheiden, wie ihrer Meinung nach der Butterberg abgebaut werden kann, welche Molkereiprodukte bei intensiven Absatzbemühungen am ehesten vom Verbraucher gekauft würden und wie der Absatz ihrer Produkte am besten gefördert werden könnte.

Noch ehe die Umfrage „Aktion Praxis“ abgeschlossen wurde, meldete sich Kritik gegen diese Art der Meinungsforschung. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände bemängelte, daß die Aktion der CMA in die falsche Richtung ziele: „Denn nützliche Antworten kann sie nur von denen erhalten, die Agrarprodukte kaufen und verkaufen, also von Verbrauchern, Händlern und Vorarbeitern.“

Tatsächlich hätten die Agrar-Marketingmanager auch über eine Repräsentativumfrage unter maximal 2000 Bauern erfuhren können, wie die Landwirtschaft über ihre eigenen Produkte denkt und welche Marktmethoden sie für richtig hält. Die CMA verfolgt freilich ganz andere Ziele.

Die Aufgabe der Umfrage unter 150 000 Landwirten ist vielmehr eine Form der Aufklärung und Eigenwerbung. Auf dem Wege über sechs Fragen – die besten Antworten werden prämiert – sollen die Landwirte mit der Arbeit der CMA vertraut gemacht werden. Die Rätsellösung dient letztlich dem Zweck, den Bauern klarzumachen, daß die moderne Landwirtschaft ohne Werbung nicht auskommt. Und just das ist die Aufgabe der CMA.

Die CMA geht davon aus, daß ein Fragebogen von etwa vier Personen in einem Bauernhaushalt gelesen wird und daß so alle Familienangehörigen eine Vorstellung von der Marketinggesellschaft bekommen. Darauf ist die CMA angewiesen, denn immerhin sollen die Bauern in den nächsten Jahren den Etat ihrer Werbegesellschaft weitgehend selbst finanzieren.

Die deutschen Landwirte sind von der Notwendigkeit zu werben, bisher noch gar nicht überzeugt. Daß sie dafür auch noch Geld ausgeben sollen, gefällt ihnen schon gar nicht. Doch die Werbung für deutsche Agrarprodukte ist zumindest im Ausland sehr erfolgreich. In Italien und auch in Frankreich hat man den Spezialitäten aus deutschen Landen schon zu gewinnträchtigem Ansehen verholfen. Doch die Werbekampagnen der CMA wurden bisher fast ausschließlich aus der großen Bundeskasse gefördert.

Die Lösung der sechs gestellten Fragen interessiert die Initiatoren denn auch weniger, wenngleich auch sie als Abfallprodukte aufschlußreiche Bauernweisheiten erwarten lassen. Viel wichtiger ist, daß sich ihr Appell an die Bauern „dir CMA braucht Sie“ umkehrt, und die Bauern zu der Erkenntnis bringt: „Wir brauchen die CMA.“ hff