• Ausgabe 20/1970

    Ausgabe 20/1970

    Artikelübersicht

    Im Inhaltsverzeichnis dieser ZEIT-Ausgabe finden Sie ab dem Erscheinungstag die Artikel der ZEIT und des ZEITmagazins aufgelistet, die bereits online sind und von Ihnen abgerufen werden können.

  • Politik
  • Bildungsanleihe

    Noch fehlt der Mut

    Die einen preisen jene Bildungsanleihe, die die Bundesregierung demnächst auflegen will, als einen unkonventionellen Schritt, nennen sie aber im gleichen Atemzug nur einen Tropfen auf den heißen Stein; die anderen haben finanz- und konjunkturpolitische Bedenken (siehe dazu Seite 43); im ganzen überlagern ökonomische Argumente einstweilen die bildungspolitischen Aspekte, die doch Vorrang haben sollen.

  • Luigi Nonos „Intolleranza“ in Nürnberg

    Zum Passionsspiel umgebogen

    Der Venezianer Luigi Nono, Jahrgang 1924, ist seit einigen Jahren bei Rundfunkanstalten und Avantgarde-Musikfesten persona non grata.

  • Dokumente der ZEIT

    „Der Frieden nach außen und der Frieden im Innern gehören zusammen. Beides ist nichts anderes als ein geregeltes Miteinander.

  • Brandt: Den Frieden sichern

    In unterschiedlicher Form wurde Ende der vergangenen Woche in Ländern Ost- und Westeuropas des 25. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges gedacht.

  • Vatikan

    Verluste mit Nùdeln

    Der Vatikan sorgt sich nicht nur um das seelische, sondern auch um das leibliche Wohl der italienischen Bevölkerung: er versorgt sie mit dem Volksnahrungsmittel Spaghetti.

  • Erbitterte Kritik an Präsident Nixon

    Das amerikanische Vorgehen in Indochina hat zu zahllosen Demonstrationen und zu erbitterter Kritik an der Amtsführung Präsident Richard Nixons geführt.

  • NAMEN

    Martin Hassel, 42, Verkaufsdirektor der Pforzheimer Timex-Uhrenfabrik, hat sich auf eine sehr werbewirksame Art um den deutschen Sport verdient gemacht.

  • Architektengesetz

    Notbremse gezogen

    Der Bundestag hatte das Gesetz einstimmig gebilligt. „Bürgerpräsident“ Gustav Heinemann brachte es ebenso „einstimmig“ zu Fall.

  • Schmidt will den Wehrdienst verkürzen

    Umfangreiche soziale Verbesserungen bei der Bundeswehr, eine Verkürzung des Wehrdienstes und Einschränkungen beim Waffenbeschaffungsprogramm sind die wesentlichsten Forderungen, die das „Weißbuch 1970 zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und zur Lage der Bundeswehr“ enthält, das in der vergangenen Woche von der Bundesregierung verabschiedet wurde.

  • FILMTIPS

    „L’Amour fou“ (1968), von Jacques Rivette. Deutsche Premiere (Original mit Untertiteln) in der integralen Vier-Stunden-Fassung.

  • Prag- Moskau noch enger

    In einem neuen Freundschafts- und Beistandsvertrag mit der Sowjetunion hat sich die Tschechoslowakei verpflichtet, eine gemeinsame Außenpolitik mit Moskau zu betreiben und der UdSSR im Falle eines Angriffs militärische Hilfe zu leisten.

  • Statistische Brunnenvergiftung

    Jesus und der Haschisch

    Wenn sich das Public Relations Office von Oberammergau einen vor allem auf die jüngere Generation werbewirksamen stunt hätte ausdenken wollen, es hätte ihm gar nichts Besseres einfallen können als: Jesus raucht Haschisch.

  • Nahost

    Gefechte im Libanon

    Im Nahen Osten ist es Anfang der Woche zu den schwersten Auseinandersetzungen seit dem Juni-Krieg von 1967 gekommen. In einer Vergeltungsaktion für Raketen- und Granatwerferangriffe arabischer Guerillas auf israelische Siedlungen überschritten Panzerverbände der Israelis die libanesische Grenze.

  • SPD will Reformen

    Die Forderung nach sozialen Reformen stand im Mittelpunkt der ersten beiden; Tage des Bundesparteitages der Sozialdemokraten in Saarbrücken.

  • Erst Sicherheit macht frei

    Von der Öffentlichkeit relativ noch wenig bemerkt, breitet sich auch unter den oberen Angestellten der Unternehmen zunehmend Unbehagen aus.

  • Der Krieg ist sein Geschäft

    Moses war es, der die Juden vor vielen tausend Jahren durch Wasser und Wüste aus der ägyptischen Knechtschaft in das Gelobte Land führte.

  • Adenauers alte Meister

    „Nach München war ich nicht des Bieres wegen gegangen oder auch natürlich des Bieres wegen. Aber ich war hauptsächlich hingegangen wegen des künstlerischen Lebens in München.

  • Martin Heidegger (X)

    Was ist ist?

    An der Philosophie des Mannes, den Le Monde den „größten lebenden Denker“ nannte und der von der deutschen Schulphilosophie noch zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt und in kritiklose Ferne entrückt wird, ist zweierlei interessant: einmal, ob es zwischen Martin Heideggers Eintreten für den Nationalsozialismus und zwischen seiner Philosophie einen Zusammenhang gibt; zum andern, wie die Wirkung dieses Einzelgängers, über dessen Werk es heute schon eine fünfstellige Sekundärliteratur gibt, zu deuten ist.

    Von Claus Grossner

  • Wolfgang Ebert:

    Mehrzweck-Kanzler

    Seit der Messe in Hannover sieht es so aus, als habe Willy Brandt – mit dem Auswärtigen Amt anscheinend nicht genügend ausgelastet – auch noch das Wirtschaftsministerium übernommen, zumindest kommissarisch.

  • Kambodscha

    Nixons Schlag ins Wasser

    Noch ist es zu früh, eine Gewinn- und Verlustbilanz des amerikanischen Feldzuges in Kambodscha aufzumachen, aber einige Posten auf der Soll- und Habenseite lassen ein vorläufiges Urteil zu: Das Unternehmen hat sich militärisch kaum gelohnt, politisch jedoch war es ein Mißgriff.

  • Irland

    Nur für Eingeweihte

    Politik in Irland, im Norden wie im Süden, wird emotional gemacht oder gar nicht. Der konfessionell getarnte, aber sozial motivierte Bürgerkrieg in Ulster erschüttert nun auch die Republik.

  • Vorbereitungen zum Kasseler Treffen

    Bonn ist auf Moll gestimmt

    Vom Protokoll und den technischen Vorkehrungen her steht dem zweiten deutschen Gipfeltreffen nichts mehr im Wege. Der Bundeskanzler wird den Vorsitzenden des DDR-Ministerrats am kommenden Donnerstag auf dem Perron des Vorortbahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe empfangen.

    Von Carl-Christian Kaiser

  • Comeback in Prag

    In ihrer bewegten Geschichte hat die Prager Burg gewiß schon manchen seltsamen Szenen einen Schauplatz geboten, doch was in der vergangenen Woche nach der Unterzeichnung des neuen tschechoslowakisch-sowjetischen Freundschaftsvertrages geschah, könnte einem surrealistischen Stück entnommen sein: Noch immer wehte über der Burg die Präsidentenstandarte mit der hussitischen Losung „Die Wahrheit siegt“, und noch immer war es der wackere General Svoboda, der da auf den Balkon trat – der gleiche Mann, dessen Name „Freiheit“ bedeutet und der vor zwei Jahren noch wie das Fanal einer besseren Epoche gewirkt hatte.

  • Sie stehen Marx näher als Mende

    An weiß gedeckten Kurhaustischen stritten die übermüdeten Delegierten mit Lenin-Zitaten und Dahrendorf-Deklarationen, die Suche nach einer gemeinsamen Basis von liberalem Denken und sozialistischem Handeln erstickte im Wust schillernder Begriffe: Die Bundeskonferenz der Deutschen Jungdemokraten (DJD) drohte, zum theoretischen Disput auszuarten.

  • Auf dem SPD-Parteitag in Saarbrücken

    Die Abstimmungs-Maschinerie läuft

    Die Linken haben wenig Chancen – Das neue Schlagwort heißt „soziale Demokratie“

  • ZEITSPIEGEL

    „Wenn der Präsident Studenten liederliche Taugenichtse nennt, wie am 1. Mai im Pentagon, dann macht er es einfacher für einen Nationalgardisten, den Gewehrlauf auf einen von ihnen zu richten und abzudrücken.

  • Der Gegenkandidat von Helmut Schmidt

    Linksaußen der SPD

    Norbert Gansel? Nie gehört – den Namen, nie gesehen – den Mann! Aber man wird von ihm hören, man wird ihn sehen. Schon vor dem SPD-Parteitag in Saarbrücken läßt der zweite Mann im Vorstand der Jungsozialisten mit sich reden, bei einem Zwischenaufenthalt auf der Fahrt von Kiel ins Saarland.

    Von Werner Höfer

  • Im britischen Kielwasser

    In welchem Kreis auch immer die Sprache auf den Beitritt kommt – die Entschlossenheit, sich der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zuzugesellen, wird in Dänemark von Politikern, Industriellen, Gewerkschaftlern, Bauern so nachdrücklich und überzeugend vorgetragen, als sei dies schon immer eine ausgemachte Sache gewesen.

    Von Carl-Christian Kaiser

  • Wirtschaft
  • Milliarden-Geschenk für die Bauern?

    Gewinn durch Verlust

    Bundesernährungsminister Josef Ertl konnte sich in der Grünen Debatte des Bundestages gerade noch bremsen: „Ich möchte dieses hohe Haus wirklich bitten, mich in der Aufwertungsdiskussion nicht zur vollen Wahrheit zu zwingen, weil das – und das sage ich in vollem Ernst – die Einkommenssituation der Bauern aus einem anderen Grund eventuell nicht sehr günstig beeinflußt.

    Von Hans Otto Eglau

  • Das Beispiel USA zeigt, wie teuer auch uns die „Stabilität“ noch kommen kann

    Illusionen über die Preise

    Nicht nur bei uns, auch anderswo widersprechen sich Regierungsmitglieder bei öffentlichen Äußerungen. Richard Nixon hatte Anfang des Monats den Amerikanern empfohlen, Aktien zu kaufen.

  • Der Mitbestimmungs-Bericht ist „eine geniale Mischung aus Strategie und Taktik“

    Ein politischer Trapezakt

    Das Gutachten ist für uns ein klassischer Pyrrhus-Sieg. Noch ein solcher Sieg, und wir sind verloren.“ Dieser lakonische Kommentar eines Unternehmers zum Kommissionsbericht „Mitbestimmung im Unternehmen“ war an die Adresse der eigenen Unternehmerkollegen gerichtet, die geglaubt hatten, man könne den Teil V (Empfehlungen) lesen und akzeptieren, ohne sich weiter um die Grundlagen (Teil IV) kümmern zu müssen.

  • United Growth Fund

    Gegendarstellung

    In Ihrer ständigen Rubrik „Gespräche am Bankschalter“ befaßten Sie sich in Ihrer Ausgabe vom 10. April 1970 unter der Überschrift „Ein Prospekt wird zum Verräter“ mit dem United Growth Fund.

  • Börsen-Report

    IOS sucht nach einem Strohhalm

    Als am Montag dieser Woche die französische und englische Rothschild-Banken-Gruppe mitteilen ließ, sie müsse die Verhandlungen mit Investors Overseas Services über eine Beteiligung an dem größten Investment-Konzern als gescheitert ansehen, wehrte sich die IOS gegen die Auffassung, daß das Scheitern endgültig sei.

    Von K. W.

  • Außer Kohlen nichts zu holen

    Im 18. Stockwerk des Thyssenhauses setzt Hans-Günther Sohl seine Kaffeetasse nieder. „Das ist kalter Kaffee, wenn man mir unternehmerische Seherfähigkeiten nachsagt, nur weil ich bei Thyssen ohne Bergbau-Verbund geblieben bin.

    Von Tk N. Winter

  • Joghurt-Markt

    Boom in Sauermilch

    Wenn in der Unilever-Firma Margarine Union in Hamburg vom weißen Riesen gesprochen wird, ist nicht von Waschpulver die Rede.

  • Einzelhandel

    Mann auf grüner Wiese

    Eine Trachtenkapelle intonierte Militärmärsche und Angestellte gaben kostenlos Plastik-Sparschweine aus, als in der vergangenen Woche der Karlsruher Kaufmann Hugo Mann am Autobahnkreuz Wiesbaden-Schierstein sein fünftes „Wertkauf-Center“ für die neugierigen Massen freigab.

  • Die Talfahrt geht weiter

    Nur einige der deutschen Rentenfonds haben im April kleine Gewinne erzielt. Doch die sind nicht einmal „echt“. In Wahrheit handelt es sich um angefallene Zinsen, die dem Fondsvermögen zugeschlagen und später für Ausschüttungen verwandt werden.

    Von K. W.

  • Entwicklungshilfe

    Gewerkschafter auf Abwegen

    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans Matthöfer will den deutschen Entwicklungshelfern künftig „auf die Finger schauen, damit so etwas nicht mehr passiert“.

  • AUS UNTERNEHMUNGEN

    Eine Umsatzausweitung um 100 Millionen Mark war nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Olympia-Werke AG, Wilhelmshaven, im Jahre 1969 notwendig, um.

  • Unternehmer

    Auf der Hauptversammlung der Metallgesellschaft AG sprach der Vorstandsvorsitzende Walter Ley ein deftiges Unternehmerwort: In der gegenwärtigen Situation sei es geradezu Unternehmerpflicht, Preiserhöhungen durchzusetzen.

  • England blieb das Schlußlicht

    Zugenommen hat das Wirtschaftspotential im letzten Jahr in allen Industrieländern. Doch sehr unterschiedlich. Während die Japaner wieder eine Rekordrate von 13 Prozent realen Wachstums aufzuweisen haben, sind die Briten mit 1,2 Prozent Zunahme des Nettosozialprodukts wieder einmal das Schlußlicht.

  • Michael Jungblut:

    Die falschen Leute zur falschen Zeit

    „Selbst ein Mann wie Gerhard Schröder vergißt jetzt nie, die Vermögensbildung zu erwähnen, wenn er die politischen Ziele der Union aufzählt.

  • Dollar, Dollar über alles...

    Die Amerikaner wollen lieber das Welt Währungssystem als den Goldpreis ändern

    Von Hartwig Meyer

  • Wolfgang Hoffmann: Report aus Bonn

    Schiller läßt sich nicht „aus dem Kabinett reden“ – Angst vor Aufwertungsgerüchten – Wann kommt das Sondergutachten? – Das Doppelzüngige an der CDU – Rote Ämterpatronage?

  • Kein Mut

    Hans Katzer war ein guter Arbeitsminister. Auf der Oppositionsbank macht er zur Zeit noch eine etwas unglückliche Figur. Seine kritischen Anmerkungen zum Sozialbericht der Bundesregierung, die er in der vergangenen Woche – wohl weniger dem eigenen Triebe als einer taktischen Auflage seiner Partei folgend – zum besten gab, blieben weit unter dem Niveau eines Sachkenners seines Ranges.

  • Finanzakrobatie für die Bildung

    Die Vielzweck-Anleihe

    Bundeswissenschaftsminister Hans Leussink gelang es am vergangenen Freitag – also unmittelbar vor dem SPD-Parteitag – nur recht mühsam, seine „vermögenspolitische Bildungsanleihe zur Stabilisierung der Konjunktur“ den Kabinettskollegen schmackhaft zu machen.

    Von Ulrich Breuer

  • Fehlrechnung

    Wenn der rheinland-pfälzische Kultusminister Vogel (CDU) das Porto für Parteipost aus dem Etat des Ministeriums statt aus der Parteischatulle nimmt oder ein Kasseler Professor sich mehr seinem Architektenbüro widmet als der Lehrtätigkeit, für die er vom Staat bezahlt wird, dann tritt der Bund der Steuerzahler auf den Plan.

  • Der Aktionär zahlt, statt zu kassieren

    Bevor der Chef von AEG/Telefunken AG. Frankfurt/Berlin, Dr. Hans Bühler, in den Aufsichtsrat hinüberwechselt und dort den Vorsitz übernimmt, steht ihm noch eine heikle Aufgabe bevor.

    Von Ihr Securius

  • ZEITRAFFER

    Der Gesamtverband der Metallindustrie und die IG Metall einigten sich über einen neuen Tarifvertrag. Ab 1. Juli werden vier Millionen Metallarbeiter monatlich eine vermögenswirksame Zulage von 26 Mark erhalten.

  • Soll man jetzt schon kaufen?

    In den letzten Tagen sind die Aktienkurse leicht gestiegen..................................................................

  • Zitate der Woche

    „Die Aufwertung hat auf den Auslandsmärkten nicht die erwarteten Wirkungen gebracht. Uns ist kein Fall bekannt, daß eine deutsche Firma einen Exportmarkt aufgeben oder schwere Einbußen hinnehmen mußte.

  • Wissen
  • Der leibliche Vater bleibt anonym

    Die künstliche Besamung einer Ehefrau mit den Keimzellen eines ihr unbekannten „Spenders“, sprich heterologe Insemination, ist wieder aktuell: Nachdem sich der 62.

    Von Theo Löbsack

  • Familienplaner:

    Die „Pille“ ist relativ sicher

    Das mit der Einnahme von Antibabypillen verbundene Krankheitsrisiko ist gering und der weitere Gebrauch dieser Ovulationshemmer ist voll gerechtfertigt.

    Von V. G.

  • Schmidts Reform-Anlauf

    Annähernd hundert Absichtserklärungen und Entscheidungen stehen am Anfang der Reform für die Bundeswehr, deren Einzelheiten in dem Verteidigungs-Weißbuch der Bundesregierung erläutert werden.

    Von Kurt Reck er

  • ...und das Meer tat sich auf

    Auf der Flucht vor den Heerscharen des Pharao, so berichtet die Legende, teilte sich die Wasserfläche, und trockenen Fußes rettete sich das geschundene Volk Israel nach jahrzehntelangem Sklavendasein in die Freiheit.

    Von Günter Haaf

  • Der Riß durch Amerika

    Präsident Richard Nixon hat in einer Pressekonferenz mit entwaffnender Jovialität beteuert, das Streben der rebellischen Studenten nach Frieden und einer schnellen Beendigung des Krieges in Südostasien decke sich völlig mit seinen eigenen Zielen.

    Von Joachim Schwelien

  • Fatale Strafe

    Den Worten folgten alsbald die Taten. Zwei Tage nach Dayans Warnung an den Libanon, zur Vergeltung für sieben durch Partisanenbeschuß getötete Israelis werde seine Armee zurückschlagen, befahl er die Strafaktion.

  • Großer Schritt

    Scheiden tut weh – ungezählte Ehepaare, Richter und Anwälte wissen ein Lied davon zu singen. Sie wissen auch, wieviel gelogen und geheuchelt wird, wenn es darum geht, zu einem Scheidungsurteil zu kommen.

  • Konkrete Utopie

    Der Parteitag der Sozialdemokraten in Saarbrücken war kaum eine Siegesfeier. Der Machtwechsel in Bonn befriedigt die Genossen zwar immer noch, aber er ist kein Anlaß mehr zu Begeisterung.

    Von R. Z.

  • Auto
  • ...unversehens eingenickt

    Der 54jährige Angeklagte fuhr in den Abendstunden vom Wochenendausflug nach München. Die Bundesstraße war kolonnengefüllt, sie erlaubte nur Tempo „50“.

    Von Werner Dolph

  • Utopien im Prager Frühling

    Einige Dutzend Bücher über den tschechoslowakischen „Frühling 1968“ wurden in der westlichen Welt veröffentlicht: Reportagen, Augenzeugenberichte, analytische Versuche, geschichtliche Darstellungen, angefangen mit den unkritischen Lobeshymnen bis hin zur Verdammung aller Bemühungen der tschechoslowakischen Reformpolitiker.

    Von Rudolf Ströbinger

  • Nachruf auf eine Legende

    Zwei Jahre nach seiner Ermordung ist das Wirken Martin Luther Kings beinahe zur Legende geworden. Heute, da der Rassenkampf in Amerika von Radikalität auf beiden Seiten bestimmt zu sein scheint, ist es nur noch schwer vorstellbar, daß der Prediger der Gehaltlosigkeit aus Atlanta einen so großen Einfluß auf das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen in seinem Lande haben konnte.

    Von D. B.

  • Führerschein auf Zeit

    Alle fünf Jahre neu

    Ein Autofahrer hatte eine Fußgängerin totgefahren. Er behauptete, die Frau nicht gesehen zu haben. Was unglaubhaft erschien, stimmte: Der Mann konnte die Frau nicht gesehen haben; er litt, ohne daß er bis dahin davon gewußt hatte, an einer beidseitigen Gesichtsfeldstörung, an Skotomen auf beiden Augen.

    Von Herbert Latar

  • Gesellschaft
  • Bonn und Ost-Berlin Mitglied der UNO?

    Genf, 8. September 1926: Die Versammlung des Völkerbundes beschließt einmütig mit den Stimmen aller anwesenden Staaten die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.

    Von Ingo von Münch

  • Grundstücksmarkt
  • Steine zählen genügt nicht

    Was nützt das schönste Haus, – wenn es nichts einbringt?“ Max Möhrmann, anerkannter Gutachter, Mitglied des Gutachterausschusses der Hamburger Bau-, behörde und Inhaber einer Maklerfirma, weiß, daß „Sachwert“ und „Ertragswert“ eines Miethauses um Millionen Mark auseinanderklaffen können.

    Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

  • Kultur
  • ZEITMOSAIK

    Dem tüchtigen Spartaner winkt Lohn: Die in Cincinnati, Ohio, beheimatete Corbett Foundation hat ein Jahresstipendium für den europäischen Opernsängernachwuchs (Studien- und Lebenshaltungskosten) zur beruflichen Fortbildung in Zürich, beginnend mit dem 1.

  • Hessens Heloten

    Die Hessen also haben nun ihr Universitätsgesetz. Zunächst protestierten die Studenten dagegen. Dann protestierten die Assistenten dagegen.

    Von Rudolf Walter Leonbardt

  • Rolf Hochhuth:

    Die Opfer von McCarthys Hexenjagd

    In dieser Woche soll in Stuttgart Rolf Hochhuths neues Schauspiel „Guerillas, Tragödie in fünf Akten“ uraufgeführt werden. Der Schauplatz ist Amerika, und durch die schweren innerpolitischen Auseinandersetzungen um die Politik Richard Nixons gewinnt es eine Tagesaktualität, die nicht beabsichtigt war.

    Von Aufnahm«: Ap

  • Kunstkalender

    Wer Paris abgeschrieben hat, wird durch dieses hilflos verworrene Unternehmen, für das glücklicherweise nicht Manfred de la Motte, sondern ein Pariser Commissaire Artistique namens Julien Alvard verantwortlich zeichnet, bestimmt nicht eines Besseren belehrt werden.

    Von Gottfried Sello

  • Bildungsauftrag erledigt

    Der Deutsche Bildungsrat, im März 1966 konstituiert, hat in diesem Frühjahr seine erste Amtsperiode beendet. Als wichtigstes Resultat seiner ehrenamtlichen Tätigkeit legte er jetz: den „Strukturplan für das Bildungswesen“ im Bereich der Schule vor – ein mehr als vierhundert Seiten starker Foliant, der der Öffentlichkei: in der Erwartung ausgehändigt wurde, daß er nicht nur als tüchtige Arbeit gewürdigt, sondern von den Politikern als bindende Verpflichtung zur Bildungsreform verstanden wird.

  • Europas goldene Jahre

    Die Geschichte seines Sturzes steht am Ende. Die belgischen Sozialisten weigerten sich, der von de Gaulle erzwungenen Verlegung der Nato nach Brüssel zuzustimmen.

  • Recht im Wandel

    Zuerst zur Person des Autors: Professor Friedmann hat in Deutschland Rechtswissenschaft studiert und promoviert. Nach seiner Emigration war er eine Zeitlang Barrister in London, später Rechtslehrer an Universitäten in England, Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten.

    Von Richard Schmid

  • Dracula im Bayerischen Wald

    Schon der Anfang des Films ist so schön und so schrecklich wie das Genre, dem er verpflichtet ist. Schergen des obersten Vampirs dringen bei einem jungen Paar ein, eine Alte hat es denunziert.

  • Wo die Wirklichkeit schon übertreibt

    Der Roman „den años de soledad“ von Gabriel Garcia Marquez war der sensationellste Erfolg, den : Lateinamerika je auf dem Buchmarkt zu verzeichnen hatte.

    Von Hugo Loetscher

  • Siegfried Lenz:

    Der Wettlauf der Ungleichen

    Man spricht heute der Literatur die Möglichkeit ab, einen Beitrag zur Erkennbarkeit des Menschen in der Zeit zu liefern. Und die Frage, ob sie zu seiner Selbstverwirklichung beitragen könnte, wird rabiat verneint.

    Von Siegfried Lenz

  • Aus den Hauptstädten der Welt

    Teen Take Ka Swang

    Die rasche Dunkelheit, der weiße Mond in den Zweigen, das kleine Amphitheater, der schwüle Abend – Rahmen für Romeos Tod, Julias Trauer, allenfalls des Prinzen von Homburg Stolz.

    Von Freimut Duve

  • Locarno deine Österreicher

    Eine Habilitationsschrift möchte man das jüngste Buch Robert Neumanns nicht gerade nennen, obwohl der Anlaß dies nahelegt. Man Habe ihn in seiner Heimat einmal für den Professorentitel vorschlagen wollen, berichtet er.

    Von Otto F. Beer

  • Zeitgenossen in Recklinghausen

    Kunst als Spiel – Spiel als Kunst“, das war Recklinghausen 1969, eine brillante und ausgelassene Schau, Thomas Grochowiak hatte aus seinem tristen Museumsbunker eine Spielhalle gemacht, mit notabene maximalem Aufklärungseffekt.

  • Berstende Landschaften

    Anton Lehmden ist der stillste Maler der „Wiener Schule“, und er ist fast ausschließlich Landschafter. „Wenn Anton Lehmden malt, dann sprießt das Gras, dann kommen die ersten stoppeligen Halme hervor, dann wächst es überall, Gräser und Haare, Büschel und Locken: Lehmdens Malerei ist Wuchs.

    Von Wieland Schmied

  • Im Teufelskreis

    Sowjetische Außenpolitik ist also nicht mehr und nicht weniger als religiöse Mission.“ Schlußfolgerungen dieser Art sind heutzutage weitgehend aus Büchern zu Fragen der internationalen Beziehungen verschwunden.

    Von Hans Wassmund

  • Fernsehen

    Niemand zeugt für den Zeugen

    Am Mittag des 5. Mai wurde bekannt, man habe in einem Fluß den Leichnam des Schriftstellers Paul Celan geborgen. Am Abend des gleichen Tages, um viertel nach acht, brachte die ARD die Nachricht, unter den Kurzmeldungen, in einer Dreizeilennotiz.

  • Sind Ostasiaten anders?

    Mit Erstaunen habe ich festgestellt, daß es sich hier um die fast unveränderte Neuauflage des erstmals 1949 unter demselben Titel erschienenen Buches handelt.

  • KRITIK IN KÜRZE

    „Cortés in Mexiko“, ein Zyklus von Kurt Moldovan. Der Wiener Graphiker legt hier – nach seinen „Antiken Szenen“ eine Auswahl von dreißig Zeichnungen vor, Ergebnis eines viermonatigen Studienaufenthalts in Mexiko, bei dem er den Spuren der spanischen Eroberer und den Spuren der untergegangenen Indianerstämme bis nach Chiapas und Yucatan folgte.

  • DIE NEUE SCHALLPLATTE

    Es beethovent im ganzen Land, wer bisher seinen Pflichtbeitrag zum 200. Todestag noch nicht unter Dach und Fach hat, muß sich beeilen, die Spitzengarnitur der Essayisten und Interpreten, der Hochschulprofessoren und Kenner aus Passion ist vergeben, nach und nach reifen die Früchte langer Vorbereitungsarbeit, nur Herbert von Karajan kann es sich leisten, seinen Fidelio erst nächstes Jahr in Salzburg zu präsentieren.

  • Paul Celan:

    Drei neue Gedichte

  • Du sei wie du

    Eines seiner Gedichte ist literarisches Gemeingut, die „Todesfuge“ (geschrieben 1945); wird der Titel genannt, dann sagt fast jedermann: „Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends“ oder „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“.

    Von Werner Weber

  • Vorhang zu – Fragen offen

    Immer habe ich mich über die Kraft gewundert, mit der Bertolt Brecht der Umgebung seine Gesten, seinen Stil, vor allem seine Art zu denken aufprägte.

    Von Marianne Kesting

  • Länderspiegel
  • Feuer-Freunde

    Bei den dreien kam so vieles zusammen: pure Angeberei, falsch verstandene Freundschaft, ein bißchen Protest gegen die Lehrer und gegen die Gesellschaft, ein paar Biere, die man zuviel getrunken hatte, bloßer Übermut und das bißchen Dummheit, mit der Pennälerstreiche seit Generationen begangen werden.

  • Gerangel bei „Report“

    Manche mögens‘s lau

    Noch kein neuer „Reporte-Moderator, meldete die Süddeutsche Zeitung am 23. April und erinnerte noch einmal daran, daß Hans Heigert am 29.

  • Wohin mit dem Christophorus?

    Unheiliger Heiliger

    Ein entthronter Heiliger entfacht in München Bilderstreit. Um Christophorus, auch ohne kanonische Würden Schutzpatron der Reisenden, gibt es Künstlerfehden.

  • Willi Brundert

    Aber dem gebürtigen Magdeburger Brundert fehlten auch sonst einschlägige Merkmale. Gewiß, er konnte jovial und fröhlich wirken.

  • Präsident Engel griff ein

    Ein Abgeordneter sog Weisheit aus der „Bild“-Zeitung.Andere naschten genüßlich Pralinen. Die auf den Andere – Professoren, Assistenten, Studenten und Schüler – wollten dennoch an eine große Stunde des Parlaments glauben; sie ließen sich vom Anblick gelangweilter Volksvertreter nur maßvoll schockieren.

    Von Lilo Weinsheimer

  • Scherben

    Der Einmarsch der Amerikaner in Kambodscha hat auch in der Bundesrepublik zu verschiedenen Protestaktionen geführt. In München, Frankfurt und Berlin kam es Ende der letzten Woche zu Demonstrationen.

    Von Aufnahme: Klaus Mehner

  • Terror kann keiner verhindern

    Einige Monate war es verhältnismäßig ruhig in Berlin. Selbst die Anarchisten, die „Tupamarows“, die Stadtguerilleros, hatten ihre Aktivitäten eingeschränkt.

  • Lebensart
  • Musterschotten

    Mir ist etwas Unangenehmes passiert“, erzählt ein Schotte, „ich war kürzlich in London und habe in einem Restaurant einen Tee getrunken, aber der Kellner hat mich angeguckt, als hätte ich nicht bezahlt.

  • Keine Anti-Weltanschauung

    So allgemein freilich, wie es die durch Demokratismus Erschöpften dann benannten, ist das Programm der „Dollen Minas“ durchaus nicht.

  • Logelei

    Eine Annonce in der Zeitung: „Laufbursche gesucht. Er soll jung sein, keinen Bart tragen, das Abitur besitzen, fließend Englisch sprechen, unverheiratet und mindestens 1,80 m groß sein.

  • Betten sind unterbewußtseinsbildend

    Was sich in den fünfziger Jahren auf dem Möbelmarkt der Bundesrepublik breitmachte, das sogenannte Altdeutsche, das grassiert in Italien seit wenigen Jahren in entsprechend hiesiger Version.

  • J.M-M: Streik-Erfahrungen

    Ohne Übertreibung darf ich sagen, daß ich in Streiks sehr erfahren bin. Zwar habe ich selber nie gestreikt. Um so mehr aber bin ich bestreikt worden: aus purem Versehen! Ich war niemals das Ziel der Streikenden.

  • Einer von uns

    Konrad Wührer, geboren vor 300 Jahren, war mehr als nur ein begabter Künstler, mehr als der große Denker, der geniale Komponist, Dichter, Erfinder, Reformer und Naturwissenschaftler.

  • Europas größtes City-Ladenzentrum

    Ein Verkaufs-Schlachtschiff

    Ein Triumph war es nicht, selbst wenn es bei der offiziellen Eröffnung Ende voriger Woche so schien: Folklore und Fanfaren, Beat und Blasmusik, auch eine Reklameluftflotte, und Reden.

  • Schöne Bajonette, kleine Auflage

    Dem Reichsaußenminister und vormaligen Schaum weinreisenden. Joachim von Ribbentrop baumelte am Hosenbunde ein Dolch, welcher, mit Silber reich beschlagen und von kundiger Hand ziseliert, den verworrenen Weg so mancher Reliquie nahm und akkurat 25 Jahre nach Ribbentrops Amtszeit wieder in die Öffentlichkeit zurückfand, und zwar durch die unerforschlichen Fügungen des Zufalls just dorthin, wo ihm ein guter Preis verbürgt war: zur Deutschen Waffenbörse 1970 auf dem Stuttgarter Killesberg.

  • Bundesbahn-Sprüche

  • „Moment bitte, der Schreiber läuft“

    Am Taxenstand vor dem Hauptbahnhof, 10.35 Uhr, drängt sich ein Knäuel von Männern. Daneben wartet eine alte Dame geduldig, die Koffer hat sie vor ihren Füßen aufgebaut.

    Von Woltgang Rieger

  • Oberin Hermenegild freut sich jeden Tag

    „Ich will Ihnen gleich sagen, warum ich Ordensschwester geworden bin“, begann sie, „als junges Mädchen lernte ich in einem Kasseler Krankenhaus kochen.

  • Linguistische Limericks

  • Hollands Rebellinnen streiten nicht nur für ihre eigene Emanzipation:

    Rettet auch den Mann!

    Wer von Hollands „Dollen Minas“ in deutschen Zeitungen las, der mußte den Eindruck gewinnen, hier sei eine soeben dem Pensionat entsprungene Mädchenschar dabei, den letzten Karneval nachzuholen: In Amsterdam wurden junge Männer entführt und dann mit einem freundlichen „So ist das, wenn man entführt wird, und nicht nur so!“ irgendwo im Grünen wieder ausgesetzt; mit Rufen wie „Pfui, wie muffig ist doch die schöne Welt der Frau!“ wurde die Redaktion der Frauenzeitschrift „Margriet“ gestürmt, und durch Fensteröffnen wurde erst einmal für frische Luft gesorgt; öffentliche Bedürfnisanstalten (die es in Amsterdam nur für Männer gibt) wurden mit rosa Bändern symbolisch versiegelt; am Denkmal der erwählten; Schutzpatronin, der holländischen Frauenrechtlerin Wilhelmina Drucker (die vor achtzig Jahren die „Freie Frauenbewegung“ in Amsterdam gründete), wurden weibliche Dessous verbrannt.

  • Sport
  • Beiträge, Spenden, Ausrüstung, Trainer:

    Wie teuer ist Golf wirklich?

    Vor diesem Sport kann man nur warnen. Wer sich einmal in seinen Bann hat schlagen lassen, kennt keine „Freizeit“ mehr. Vorbei sind die Wochenenden, an denen man morgens nicht aus dem Bett kam und nachmittags schon vor dem Fernseher saß.

    Von Gerd A. Bolze

  • „Mir bleibt noch viel Arbeit“

    Drei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko sind Deutschlands Fußballideologen zerstritten wie nie zuvor. Die bis dahin geltende Doktrin – eine deutsche Mannschaft für Mexiko ohne die in Italien spielenden Professionals Haller und Schnellinger sei undenkbar – wurde zur Diskussion gestellt.

    Von Jürgen Werner